Ehrenamtlich auf dem Wasser

Sabrina Most gehört zu den wenigen weiblichen Seenotrettern

Seit 2003 lebt die in Nordrhein-Westfalen geborene Sabrina Most (38) in Tönning. Damals zog die junge Physiotherapeutin berufsbedingt in den Norden. „Die Nähe zum Wasser, die Landschaft und die Nordsee haben mir sofort gefallen“, erzählt sie. Ein Patient, der früher als Seenotretter tätig war, erzählte ihr während der Behandlung von seiner Tätigkeit und war der Meinung, dass das sicher auch etwas für sie sei. „Dieser Patient brachte wirklich den Stein ins Rollen“, lächelt Sabrina Most, „ich begann, darüber nachzudenken, las einiges über die Seenotretter und informierte mich. Ein wenig Erfahrung auf dem Wasser hatte ich schon, denn ich besaß bereits den Sportbootführerschein See.“

Toenn Sabrina Most Seenotretterin 2021 pa01 Foto Die Seenotretter – DGzRS Steven Keller

Sabrina Most

Inzwischen ist Sabrina Most seit drei Jahren eine von circa 800 freiwilligen Seenotrettern der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Die DGzRS ist eine nichtstaatliche Seenotrettungsorganisation, die für den Such- und Rettungsdienst bei Seenotfällen im deutschen Teil der Nord- und Ostsee zuständig ist. Auf Nachfrage, ob Seenotretter nicht hauptsächlich Männer sind, antwortet sie: „Ganz und gar nicht, fast sieben Prozent der freiwilligen Seenotretter sind weiblich.“ Immerhin.  Ihren freiwilligen Dienst verrichtet Sabrina Most auf dem Seenotrettungsboot „Paul Neisse“, welches im Binnenvorhafen am Eidersperrwerk seinen Liegeplatz hat. Chef der Station ist der Vormann Matthias Claussen. Die „Paul Neisse“ ist ein 320 PS-starkes 10,10 Meter langes Seenotrettungsboot mit einer Breite von 3,61 Metern. „Damit fahren wir im Gefahrenfall raus, um Menschen aus Seenot zu retten, Menschen aus Gefahren zu befreien sowie Verletzte und Kranke zu versorgen. Das geht nur gemeinsam im Team“, so Sabrina Most, und setzt hinzu: „Natürlich rund um die Uhr und bei jedem Wetter.“ Sabrina Most und alle freiwilligen und festangestellten Seenotretter wurden für diese Einsätze speziell ausgebildet und werden es weiterhin ständig, denn kein Einsatz auf See gleicht dem anderen. „Wir haben alle eine an unseren speziellen Aufgaben auf See angepasste Ausbildung absolviert, natürlich in unserer Freizeit“, so Sabrina Most, dazu gehören auch spezielle Brandschutzkenntnisse an Bord und Kenntnisse in Erste Hilfe. „Im Notfall müssen wir auch intubieren können“, erklärt die junge Seenotretterin und ihre Leidenschaft für diesen freiwilligen Dienst schwingt in jedem Wort mit. Befragt danach, was ihr besonders an den Seenotrettern gefällt, kommt von ihr ganz klar: „Es ist unsere große Gemeinschaft. Wir sind wie eine große Familie. Uns werden zur ständigen Fortbildung sehr tolle Lehrgänge auf höchstem Niveau angeboten, die nehme ich sehr gerne wahr, denn das Lernen an Bord hört niemals auf.“

Toenn Sabrina Most Seenotretterin 2021 pa05 Foto Die Seenotretter – DGzRS Steven Keller

Michael Fluck und Sabrina Most

Viele Lehrgänge hat Sabrina Most bereits in Neustadt i.H. und Bremen absolviert und sicher werden noch zahlreiche folgen. Auch in ihrem Urlaub lässt sie das Thema Seenotretter nicht so ganz los. So erzählt sie, dass sie sehr gern in ihrer Freizeit mit ihrem kleinen Campingbus verreist und auch mal Halt bei verschiedenen Stationen der DGzRS macht. „So lerne ich andere Teams kennen und komme mit anderen Kollegen und Kolleginnen ins Gespräch.“ Bei einer dieser Besuche ist sie auch auf einem Seenotrettungskreuzer mitgefahren, der einen Notarzt zum Kreuzfahrtschiff Aida bringen musste. „Das war ein ganz wichtiges Erlebnis für mich“, so Sabrina Most. „Außerdem finde ich es beeindruckend, dass die DGzRS sich zu einhundert Prozent aus Spenden und freiwilligen Zuwendungen finanziert.“ Ihren Beruf als selbstständige Physiotherapeutin empfindet Sabrina als ein Plus in ihrer freiwilligen Tätigkeit. „Ich finde es sehr interessant, dass ich meine medizinischen Erfahrungen an Bord mit einbringen kann“, erzählt die junge Seenotretterin. Die Begeisterung der jungen Frau für das Thema Seenotrettung ist ansteckend. Sie würde sich wünschen, dass sich mehr Menschen für diese wichtige freiwillige Arbeit begeistern könnten. Freiwillige Seenotretter werden ständig gesucht. Auch das Team am Eidersperrwerk kann Verstärkung gebrauchen. Jeder ist willkommen, das Mindestalter ist 18 Jahre. Interessierte sollten in der Nähe der Stationen leben und arbeiten. Maritime Kenntnisse und Bezüge, etwa ein vorhandener Sportbootführerschein See, sind von Vorteil, aber keine unbedingte Voraussetzung. Sabrina Most scheint ihre Bestimmung im Leben gefunden zu haben:  Im Alltag Physiotherapeutin – im Notfall Seenotretterin.

Wer mehr über dieses spannende Thema erfahren möchte, kann das hier: www.seenotretter.de.

 

Über die DGzRS

Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) ist zuständig für den maritimen Such- und Rettungsdienst in unseren Gebieten von Nord- und Ostsee. Sie setzt von 55 Stationen zwischen der Emsmündung im Westen und der Pommerschen Bucht im Osten rund 60 Seenotrettungskreuzer und -boote ein. Die SEENOTLEITUNG BREMEN der DGzRS (MRCC = Maritime Rescue Co-ordination Centre) koordiniert zentral alle Such- und Rettungsmaßnahmen. Trotz aller Technik: Im Mittelpunkt des Rettungswerkes steht nach wie vor der Mensch. Ohne die freiwillige Bereitschaft der Seenotretter zu ihren nicht selten gefahrvollen Einsätzen wäre die Arbeit der DGzRS nicht denkbar. Jahr für Jahr fahren die Einheiten der Rettungsflotte mehr als 2.000 Einsätze auf Nord- und Ostsee, finanziert ausschließlich durch Spenden und freiwillige Beiträge. Seit Gründung der DGzRS vor über 155 Jahren sind mehr als 85.600 Menschen gerettet worden. Die Seenotretter an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste waren im vergangenen Jahr 145 (2019: 212) Mal im Einsatz und halfen 315 (320) Menschen. Davon wurden 9 (3) Menschen aus Seenot gerettet und 19 (33) weitere aus Gefahrensituationen befreit.

Die Spendenseite der Seenotretter:  https://spenden.seenotretter.de

Text: Ute Gieseler/ Fotos: Die Seenotretter – DGzRS/Steven Keller