Die Pilgerpastorin von Eiderstedt

Von Kirche zu Kirche: Inke Thomsen-Krüger aus Oldenswort erwandert die Halbinsel

Wer mit der Pastorin Inke Thomsen-Krüger (55) durch Oldenswort spaziert, der merkt gleich, dass die Einwohner diese Frau kennen. Es wird freundlich vom Fahrrad aus gewunken, ein lieber Gruß über die Straße gerufen oder die Menschen halten an und plaudern kurz mit „ihrer“ Pastorin. Was noch mehr auffällt: Die Leute lächeln, wenn sie Inke Thomsen-Krüger begegnen. Sie freuen sich einfach, diese sportliche Person zu sehen, die seit zehn Jahren als Pastorin vor Ort lebt und von einigen „Pilgerpastorin von Eiderstedt“ genannt wird. Sie ist nicht zu übersehen, wenn sie mit der knallroten Regenjacke und in bequemen Wanderstiefeln zum Pilgern aufbricht – und auch sie übersieht niemanden auf ihrem Weg.

„Ich bin sehr gern Pastorin auf der Halbinsel“, sagt die Oldensworterin, ebenfalls mit einem strahlenden Lächeln. Sie kommt nicht von hier, sie kommt aber auch nicht von weit weg, sie ist in Wittbek aufgewachsen. Da ist es nicht verwunderlich, dass sie mit den Menschen vor Ort Plattdeutsch spricht. „Das ist meine Muttersprache und für mich ist das ganz natürlich“, so die Pastorin. Sie hat eine halbe Stelle als Gemeindepastorin in Oldenswort und die zweite Hälfte ihrer Stelle widmet Inke Thomsen-Krüger dem Thema „Kirche und Tourismus“. Als Vertreterin für die Kirche arbeitet sie mit verschiedenen Institutionen und Verbänden zusammen, die sich um das Wohl der Feriengäste auf Eiderstedt bemühen. Gemeinsam haben sie eine Fahrradkarte herausgebracht: „Fünf Radrundtouren von Kirche zu Kirche“. Wer diese etwa 30 Kilometer langen Radtouren abfährt, der hat sie alle gesehen: 18 evangelische Kirchen, deren Türme in der unendlichen Weite das Landschaftsbild prägen. „Und so bin ich auch zum Pilgern gekommen, es ist einfach reizvoll, dass auf Eiderstedt die Kirchen so dicht zusammen stehen, das ist einzigartig im nordeuropäischen Raum“, weiß Inke Thomsen-Krüger.

Es ist die Weite der Landschaft, die die Menschen fasziniert, es sind die sturmerprobten Haubarge, die so typisch sind für Eiderstedt, die alten Deiche, versteckte Wege und verschlungene Pfade, die Inke Thomsen-Krüger ihren Gästen näher bringt auf ihrem gemeinsamen Weg. Dabei werden kleine Pausen gemacht, in denen sie einen passenden Psalm vorträgt oder es wird unter freiem Himmel gemeinsam gebetet oder gesungen. „Und wenn ich dann im Watt die Schöpfungsgeschichte vortrage, dann ist das eine wunderbare Möglichkeit um Spiritualität in der Schöpfung zu erleben“, sagt die Pastorin.

Sie verrät, dass es auf Eiderstedt keine historischen Pilgerwege gibt, diese führten in der Vergangenheit an der Halbinsel vorbei und der Verlauf orientierte sich am alten Ochsenweg, der von Dänemark über Dithmarschen nach Hamburg führte. In vielen Glaubensrichtungen ist Pilgern Ausdruck von Spiritualität, im Christentum spielte es im Lauf der Zeit eine unterschiedlich wichtige Rolle. „Im Moment ist Pilgern wieder sehr beliebt und die weite Landschaft mit ihren wunderbaren Ausblicken lädt geradezu dazu ein“, so die erfahrene Pilgerin. „Ich bin dann mal weg…“, es muss ja nicht gleich der Endpunkt des Jakobswegs in Santiago de Compostela sein, ein Ziel wäre zum Beispiel die St. Pankratius-Kirche in Oldenswort, die wegen ihres mächtigen Turms auch „Dom“ von Eiderstedt genannt wird.

Coronabedingt finden im Moment keine Veranstaltungen statt, aber sobald es wieder losgeht gibt es Informationen unter: www.pilgern-im-norden.de oder auf Anfrage per Mail: oldenswort@kirche-eiderstedt.de

Foto/Text: Bärbel Sommer