Garding: „Mann, Wolfgang, das geht nicht“, begehrt Hjördis auf. Die
Elfjährige ist gerade dabei, mit viel Fleiß noch ein Weihnachtsmotiv an den
Bildrand zu setzen. Doch das wird später ein Passepartout verdecken, gibt
Wolfgang Groß-Freytag zu bedenken. Der freischaffende Künstler aus Welt gibt
jeden Montag von 15 bis 17 Uhr – außer in den Schulferien – im Alten Rathaus
sein Wissen im Kinder-Werkstatt-Atelier (KiWA) weiter. Wenn er auch manchmal
pädagogisch vorgehen muss, haben diese Stunden nichts von einem erhobenen
Zeigefinger. Ganz im Gegenteil soll der Spaß die Kinder ab zehn Jahren an
die Bildende Kunst heranführen.
Das KiWA ging aus den 2005 von Regina Janßen gegründeten KuKis hervor. Die
Förderung von Jugendlichen ist in der Satzung des Fördervereins für Kunst
und Kultur Eiderstedt (FKE) verankert, so der Vorsitzende Dirk-Uwe Becker
zur Entstehungsgeschichte der Kunstkinder.
Wie könnte es anders sein, ist in dieser Zeit das Thema „Weihnachten“ dran.
Doch die Umsetzung bleibt dem Geschmack der kleinen Künstlerinnen
überlassen. Saskia Friederike (12 Jahre), Luna (12), Hjördis (11) und Saskia
(13) sind jedoch mit Feuereifer und sehr viel Spaß dabei.
Warum es so viel Spaß macht, wissen sie auch auf Anhieb. “Weil Wolfgang das
so gut erklärt und man das hier so gut umsetzen kann“, sagt Saskia
Friederike. Und die andere Saskia ergänzt: „Weil man hier so viel Kreatives
machen kann.“ Mia und Lia fehlen heute. Nicht immer können alle kommen, sind
durch Schule oder andere Termine verhindert.
Luna hat ein Faible für Portraits und das entsprechende Talent für die nicht
so einfache Kunstrichtung. Vom Aquarell geht sie inzwischen auf Bleistift
über, weil da die Einzelheiten noch besser herauskommen. Hjördis hat eine
Leidenschaft für Pferde, die sie mit Wolfgang Groß-Freytag teilt. Und so
nimmt sie gerne auf, was der Fachmann in Sachen Form und Farbe rät, um das
Lieblingstier noch besser in Szene zu setzen.
Die Eltern sind ein wichtiger Multiplikator, sind sich Werkstattleiter und
FKE-Vorsitzender einig. Zum einen müssen sie im Flächenland Eiderstedt ihre
Kinder meist zum Kurs fahren, zum anderen auch für einen kleinen
Monatsbeitrag anmelden.
„Wir können gut zehn Kinder hier im Kurs verkraften, derzeit sind es sechs,
und eine Warteliste wäre auch nicht schlimm“, so der Künstler.
Aber woran erkennen denn die Eltern, ob ein Kind Talent hat? „Wenn das Kind
zuhause zeichnet und malt, im Schulheft oder Tagebuch gerne kreativ wird,
ist das ein gutes Zeichen. Das sollte man auf jeden Fall fördern.“ Der
kreative Umgang mit Stiften, Papier und Farben ist mehr als ein
Zeitvertreib. Er fördert die Konzentration, die Aufnahmefähigkeit und die
Beobachtungsgabe, sorgt aber gleichzeitig für Entspannung und Besinnung auf
die eigenen kreativen Anlagen. Nicht zuletzt stärken positive Erlebnisse das
Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl. Beides ist gerade im Teenageralter
selten ausreichend vorhanden. Im KiWA können alle ausprobieren,
experimentieren und für sich herausfinden, ob sie vielleicht sogar einmal
den Weg zu Kunst oder Grafik einschlagen wollen. Nichts muss, alles kann,
und das unter Leitung eines Profis – abseits von Schulstress und Lehrplänen.
Die künstlerischen Werke der Jugendlichen bekommen durch eigene
KiWA-Ausstellungen einen Stellenwert und die nötige Aufmerksamkeit von
Gleichaltrigen und Erwachsenen. Einige Werke sind ebenfalls derzeit im
Husumer Kreishaus zu sehen. Auch die Aktionskunst im Stadtpark im Sommer zog
eine große Zuschauerzahl an und wurde zu einem sensationellen Erfolg.
Wer Lust hat, es mal auszuprobieren, kann sich bei Wolfgang Groß-Freytag per
Telefon 04862/1516 melden und sich Informationen holen. Auf der
Internetseite www.kunstklima.com gibt es zudem weitere Hinweise unter dem
Reiter KiWA. Petra Blume

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Eider-Kurier (Redaktion)

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