Manuel Dycker geht in die Hocke, betrachtet das Modell auf Augenhöhe. „Wenn ihr hier eine Dachterrasse wollt, müsst ihr die Statik mitdenken“, sagt der Architekt und tippt auf das Pappgebäude. Die Schülerinnen nicken, machen sich Notizen. Daneben wartet schon die nächste Gruppe. In der Theodor-Storm-Schule findet an diesem Tag kein regulärer Unterricht statt – hier wird diskutiert, gerechnet und geprüft.

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Landrat Florian Lorenzen schaut sich gemeinsam mit Schulleiterin Susanne Malinowski ein von Schülerinnen und Schülern entworfenes Modell eines Lernraums / Klassenraums an.

Ideen sollen keine bloßen Wunschträume bleiben

Zwei Tage lang haben die 930 Schülerinnen und Schüler das Husumer Gymnasium in einen Denkraum verwandelt. Hackathon nennt sich das Format, das sonst aus der Digitalwirtschaft bekannt ist. An der TSS wird daraus ein Experiment für die Schule von morgen. „Wir wollten nicht nur meckern“, sagt ein Zehntklässler. „sondern Lösungen präsentieren, die realistisch sind.“

Dafür sorgen während des Hackathons mehrere Experten, die vor Ort Fragen beantworten und Impulse geben. Sie schauen sich Modelle an, stellen kritische Fragen, sprechen über Flächen, Materialien und Kosten. Ideen werden verworfen, andere geschärft. „Man merkt sofort, wenn etwas nicht umsetzbar ist“, sagt eine Schülerin. „Aber genau das hilft uns weiter.“ Neben Architekten sind auch Bildungswissenschaftler und Schulbauexperten dabei.

Methodisch begleitet wurde der Hackathon von Thomas Schmidt aus Berlin, einem Experten für innovative Schulentwicklungsprozesse. Bereits im Vorfeld hatte er die Schule in Videokonferenzen begleitet, Impulse gegeben und den Blick dafür geschärft, wie Beteiligung gelingen kann. „Wenn junge Menschen merken, dass ihre Ideen ernst genommen werden, übernehmen sie Verantwortung“, sagt Schmidt. Auch während der Projekttage steht er in Husum beratend zur Seite.

Die Schule wächst, zeitgemäße Lernmethoden brauchen andere Räume

Die Themen, die die Jugendlichen bewegen, sind konkret: Es gibt zu wenig Ruhezonen, manche Räume verfügen nicht mehr über zeitgemäßes Mobiliar. Probleme, die auch Lehrerinnen und Lehrer bewegen, die ebenfalls an Ideen für eine Schule der Zukunft arbeiten. Auch eine Elterngruppe bringt ihre Perspektive ein.

Beim Rundgang durch die Eingangshalle am zweiten Tag wird deutlich, wie ernst es alle Beteiligten meinen: An Stellwänden hängen Entwürfe für flexible Lernlandschaften, Rückzugsorte für konzentriertes Arbeiten, Bewegungszonen und Kreativräume. Modelle aus Pappe zeigen moderne Klassenzimmer, Chill-und Ruhe-Bereiche.

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Der Bürgermeister der Stadt Husum Martin Kindl erhält von Schülerin Solea Rohloff eine erste Zusammenfassung der Ergebnisse des Schulhackathons.

Verantwortung spiegelt sich auch im Positionspapier wider, das am Ende des Hackathons Husums Bürgermeister Martin Kindl überreicht wird. Darin formuliert die Schülerschaft ihre Vorschläge moderner Schulgestaltung an Politik und Stadt sowie auch ein eigenes Versprechen:  Einsatz, Offenheit für Feedback, respektvolles Miteinander. „Wir erwarten nicht, dass morgen alles anders ist“, sagt ein Schüler. „Aber wir wollen, dass etwas anfängt.“ Der Bürgermeister hört zu, stellt Fragen, nimmt das Papier entgegen. Die Hoffnung der Jugendlichen ist spürbar. „Es geht nicht darum, dass Erwachsene alles für uns entscheiden“, sagt eine Schülerin. „Wir wollen mitreden – weil es unsere Schule ist.“

Am Ende des Hackathons präsentieren die Gruppen ihre Ergebnisse Gästen aus Politik, Gesellschaft und Elternschaft. Nun liegt der Ball bei der Politik, zu entscheiden, welche Vorschläge realisierbar sind. Die Schulgemeinschaft hat hat ihre Hausaufgaben gemacht.

-> Hintergrund: Was ist ein schulischer Hackathon?
Ein Hackathon ist ein zeitlich begrenztes Arbeitsformat, das ursprünglich aus der Digital- und Start-up-Szene stammt. Teilnehmende entwickeln innerhalb kurzer Zeit gemeinsam Lösungen für konkrete Probleme.
Im schulischen Kontext bedeutet das: Schülerinnen und Schüler arbeiten klassen- und jahrgangsübergreifend an Fragestellungen rund um Schule und Lernen. Unterstützt von Lehrkräften und externen Experten entstehen Ideen, Modelle und Konzepte, die am Ende präsentiert und diskutiert werden. Ziel ist Beteiligung, Kreativität – und konkrete Umsetzbarkeit.

Text/Foto: Ann-Christin Baßin