Internetausfall in Eiderstedt und Teilen Nordfrieslands – Kunden wieder online
Ein Leitungsschaden unterbricht am Mittwoch die Internetversorgung an der Westküste. Am Freitagnachmittag schaltete der Betreiber nun eine Notlösung – erste Leser auf Eiderstedt bestätigen gegenüber unserer Redaktion, dass sie wieder online sind.
Ohne Verbindung: Ein Faserschaden in einer Zuleitung sorgte für einen großflächigen Internetausfall an der Westküste (Symbolbild). | Foto: Michael Schwarzenberger/Pixabay
Update, Freitag 15.45 Uhr: Kundenanschlüsse wieder aktiv – Alternative Anbindung steht:
Nach dem fast dreitägigen großflächigen Internetausfall gibt es für die Kunden von „Nordfriesen Glasfaser“ an der Westküste eine Lösung. Wie die Pressestelle am Freitagnachmittag mitteilte, konnte zusammen mit einem eigenen Reparaturteam eine alternative Anbindung geschaffen werden. „Kundenanschlüsse sind wieder aktiv“, schreibt der Anbieter. Erste Leser in Eiderstedt bestätigen gegenüber unserer Redaktion, dass sie wieder online sind. Die Behebung des eigentlichen Leitungsschadens laufe derweil weiterhin.
Zuvor bat "net services"-Geschäftsführer Dirk Moysich in einer Stellungnahme um Entschuldigung: „Uns ist bewusst, dass die Situation für unsere Kunden inakzeptabel ist.“ Parallel arbeite ein eigenes Team bereits seit Donnerstag an der angekündigten alternativen Anbindung. Zudem kündigte das Unternehmen an, alle betroffenen Kunden in der kommenden Woche direkt zu informieren. Weitere Details zum genauen Schadensort und der Ursache will der Betreiber erst nach Abschluss der Reparaturen nennen.
Auf Nachfrage unserer Redaktion zur am Vormittag angekündigten „alternativen Lösung“ nannte eine Unternehmenssprecherin am Freitagmittag keine konkreten technischen Maßnahmen. In einer Antwort hieß es: „Wir versuchen mit all unseren Möglichkeiten, eine alternative Anbindung zu schaffen.“
Zur fehlenden Ausweichstrecke (Redundanz), die einen großflächigen Ausfall bei einem Kabelschaden verhindern soll, teilte das Unternehmen mit, dass eine solche Anbindung bereits beauftragt sei. „Geplant ist die Inbetriebnahme im kommenden Monat“, so die Sprecherin.
Die Techniker des Leitungseigners seien vor Ort mit der Reparatur beschäftigt. Konkrete Details werde man erst „im Zuge einer Fertigmeldung“ bekanntgeben.
Auf der eigenen Störungsseite schrieb „Nordfriesen Glasfaser“, dass sich die Reparaturarbeiten aufgrund einer „umfangreichen Beschädigung schwierig“ gestalten.
Am Freitagmorgen informierte das Unternehmen, dass der Vorlieferant die Reparaturarbeiten in der Nacht fortgesetzt habe und eine Seite des beschädigten Glasfaserkabels habe repariert werden können. Eine zweite Seite der beschädigten Faser könne im Erdreich bislang noch nicht lokalisiert werden.
Da in diesem Bereich weitere intakte Glasfaserkabel verlaufen, müsse die Bagger- und Erdarbeit mit besonderer Sorgfalt durchgeführt werden, um keine zusätzlichen Ausfälle zu verursachen. Eine am Donnerstag unter Vorbehalt kommunizierte Entstörfrist bis 22.00 Uhr wurde verpasst.
Grund war ein Faserschaden
Kunden des Anbieters Nordfriesen Glasfaser auf der Halbinsel Eiderstedt und in weiteren Teilen Nordfrieslands waren seit Mittwochmorgen, 8.30 Uhr, von einem großflächigen Internetausfall betroffen.
Wie ein Leser dieser Zeitung mitteilte, beschränkte sich die Störung nicht nur auf Eiderstedt: In Schobüll (Kreis Nordfriesland) ist die Glasfaser seit Mittwochmorgen ebenfalls gestört. Weitere Leser meldeten Ausfälle in Hattstedtermarsch, Nordstrand und Galmsbüll.
Der Ausfall hatte Folgen für das öffentliche Leben und den Dienstleistungssektor in der Region: So teilte beispielsweise die Tourismus-Information Nordstrand mit, aufgrund der anhaltenden Reparaturarbeiten auch am Freitag weder telefonisch noch per E-Mail erreichbar zu sein.
Grund für die Unterbrechung ist laut der Betreiberfirma „net services“, die hinter der lokalen Marke Nordfriesen Glasfaser steht, ein Faserschaden in der Zuleitung zwischen Hamburg und Heide. Durch Bauarbeiten sei eine Hauptleitung zur Versorgung der Kunden stark beschädigt worden.
Rund 2.000 Kunden betroffen
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Rund 2.000 Kundinnen und Kunden waren laut net services offline.
Warum ein einzelner Leitungsschaden auf dieser Strecke zu einem Totalausfall führt und ob für das Netzgebiet keine redundanten Ausweichstrecken existieren, ließ das Unternehmen auf Nachfrage unserer Redaktion zunächst unbeantwortet. Am Freitagmorgen erklärte eine Sprecherin, eine Ausweichstrecke sei „bereits vor dem aktuellen Störungsfall beauftragt“ worden. Die Inbetriebnahme sei für den kommenden Monat geplant. Später dann Entwarnung: Zusammen mit einem eigenen Reparaturteam wurde eine alternative Anbindung geschaffen. „Kundenanschlüsse sind wieder aktiv“, hieß es vom Anbieter. Erste Leser in Eiderstedt bestätigen gegenüber unserer Redaktion, dass sie wieder online sind.
Anspruch auf Entschädigung? Das sagt die Bundesnetzagentur
Auf Anfrage erklärte die Bundesnetzagentur am Donnerstag die Rechte der Verbraucher. Einen Anspruch auf eine dauerhaft störungsfreie Leitung gebe es nicht – eine gesetzliche Ausfallentschädigung greife erst, wenn eine Störung nach zwei Kalendertagen ab Eingang der Störungsmeldung weiterhin bestehe.
Zieht sich die Entstörung bis ins Wochenende, steht Betroffenen ab dem dritten Tag nach ihrer Meldung eine Ausfallentschädigung von fünf Euro pro Tag zu. Ab dem fünften Tag steigt dieser Betrag auf zehn Euro. Alternativ greift ein Anteil von zehn beziehungsweise zwanzig Prozent des Monatsentgelts, falls dies für den Kunden lukrativer ausfällt. Wichtig: Die Frist läuft nicht ab Beginn des Ausfalls, sondern erst ab der eigenen Störungsmeldung beim Anbieter.
Die Bundesnetzagentur betont daher die Wichtigkeit, eine Störung möglichst rasch dem Anbieter zu melden. Wer den Ausfall bisher nicht gemeldet hat, sollte dies sicherheitshalber umgehend nachholen und bittet um eine Eingangsbestätigung. Voraussetzung für die Entschädigung ist ein kompletter Ausfall des Anschlusses, für den der Anbieter keine Ersatzlösung bereitgestellt hat. Kein Anspruch besteht zudem bei höherer Gewalt oder eigenem Verschulden der Nutzer. Eine Störungsmeldung ist auch über das Kundenportal des Anbieters möglich.
Am Freitagnachmittag wies der Anbieter darauf hin, dass bekannt sei, welche Kunden von dem Schaden betroffen sind.
Chronologie
Freitag, 17. Juli, 14.55 Uhr: „net services“-Geschäftsführer Dirk Moysich bittet in einer Stellungnahme um Entschuldigung und nennt den anhaltenden Ausfall „inakzeptabel“. Konkrete Details zur Ursache und zum Ort des Schadens will das Unternehmen aber weiterhin erst nach Abschluss der Reparatur nennen.
Freitag, 17. Juli, 12.40 Uhr: Auf Nachfrage teilt das Unternehmen mit, dass die geplante „alternative Lösung“ noch nicht näher definiert ist. Eine Sprecherin sagt, dass eine Ausweichleitung erst im kommenden Monat in Betrieb gehen soll.
Freitag, 17. Juli, 11.23 Uhr: Nordfriesen Glasfaser schreibt, dass sich die Arbeiten aufgrund einer „umfangreichen Beschädigung schwierig“ gestalten. Man arbeite parallel an einer alternativen Lösung.
Freitag, 17. Juli, 08.25 Uhr: Nordfriesen Glasfaser aktualisiert den Status: Die Reparatur dauerte die Nacht an, eine Kabelseite ist repariert. Eine Unternehmenssprecherin teilt mit, dass eine redundante Ausweichstrecke bereits vor dem Ausfall in Auftrag gegeben worden sei.
Donnerstag, 16. Juli, 21.02 Uhr: Eine erneute Anfrage unserer Redaktion zu den genauen Ursachen, dem aktuellen Stand der Reparatur und den fehlenden Ausweichstrecken lässt „net services“ bis zum Verstreichen einer gesetzten Frist am Abend unbeantwortet.
Donnerstag, 16. Juli, 17.20 Uhr: Nordfriesen Glasfaser konkretisiert die Prognose auf der eigenen Webseite: Die Störung soll voraussichtlich gegen 22:00 Uhr behoben sein.
Donnerstag, 16. Juli, 16.45 Uhr: Die Bundesnetzagentur antwortet auf unsere Presseanfrage.
Donnerstag, 16. Juli, 14.47 Uhr: net services teilt mit, dass die Schadensstelle lokalisiert wurde und die Reparaturarbeiten laufen. Das Internet soll heute Abend wieder funktionieren.
Donnerstag, 16. Juli, 13.42 Uhr: Karte mit weiteren Lesermeldungen hinzugefügt.
Donnerstag, 16. Juli, 12.39 Uhr: Weitere Leser melden Ausfälle in Hattstedtermarsch.
Donnerstag, 16. Juli, 11.37 Uhr: „net services“ bestätigt auf Anfrage, dass die Störung aufgrund eines Schadens an der Hauptleitung weiter anhält. Eine Prognose zur Entstörung liegt weiterhin nicht vor.
Donnerstag, 16. Juli, 11.37 Uhr: Ein betroffener Kunde berichtet, dass die Störung über Eiderstedt hinaus in Schobüll auftritt.
Donnerstag, 16. Juli, 11.05 Uhr: Auch 24 Stunden nach Beginn der Störung gibt es keine Prognose zur Entstörung. Eine erneute Anfrage blieb unbeantwortet.
Mittwoch, 15. Juli, 16.31 Uhr: „net services“ bestätigt auf Anfrage unserer Redaktion die Zahl von ca. 2.000 betroffenen Kunden.
Mittwoch, 15. Juli, 08.30 Uhr: Beginn des großflächigen Internetausfalls auf Eiderstedt. Erste Kunden melden Probleme, eine Bandansage informiert über einen Faserschaden.