Plattdeutsches Original
Er ist ein Star – jedenfalls innerhalb der Tönner Speeldeel. Jegliche Allüren, die so manch anderer Schauspieler an den Tag legt, sind ihm fremd. Seit mehr als 50 Jahren steht Holger Leschke auf der Bühne, gehört zu den dienstältesten, aktiven Darstellern plattdeutschen Theaters auf der Halbinsel Eiderstedt. Er begeistert die Zuschauer, sobald er die Bühne betritt.
Blickt auf 50 Jahre Bühnenerfahrungen zurück: Holger Leschke. | Foto: Torsten Beetz
Er ist ein Star – jedenfalls innerhalb der Tönner Speeldeel. Jegliche Allüren, die so manch anderer Schauspieler an den Tag legt, sind ihm fremd. Seit mehr als 50 Jahren steht Holger Leschke auf der Bühne, gehört zu den dienstältesten, aktiven Darstellern plattdeutschen Theaters auf der Halbinsel Eiderstedt. Er begeistert die Zuschauer, sobald er die Bühne betritt.
Angefangen hat alles mit ersten Auftritten bei Veranstaltungen in der Landjugend, ein paar Jahre später holte ihn Wilhelm Harring zu den plattdeutschen Laienschauspielern der Tönner Speeldeel. Beide kannten sich vom gemeinsamen Ringreiten und ihrer Liebe zu den Pferden. Harring muss jedoch schon damals das schauspielerische Talent seines Weggefährten erkannt haben und holte ihn dann zusammen mit Helga Walter auf die Bühne. Jahrzehntelang begeisterten sie das Publikum und brachten Jahr für Jahr plattdeutsches Theater auf die Bühne. Holger Leschke hatte stets eine tragende Rolle und gehörte nur in einer Spielzeit nicht zu den Akteuren. „Damals war ich zur Kur“ erinnert er sich – und sein Gegenüber spürt, dass ihn dieser „Ausfall“ noch heute wurmt.
Gegründet wurde die Tönner Speeldeel 1951 von Willi Göttsche, Fritz Modde, Grete Wenzel und Ilse Greifsmühlen. Letztere war nicht nur Schauspielern und Regisseurin der Tönninger Bühne; sie schrieb mit „Poorn ut Tönn“ auch ein eigenes Werk, das zum erfolgreichsten Bühnenstück der Akteure avancierte. Holger Leschke spielte in dem Dreiakter den „Mehlbüddelscheeter“ Amandus an der Seite von Helga und Dieter Walter sowie Dirk Saß, Peter Rasch, Eike und Sönke Petersen. „Jede Vorstellung war ausverkauft, und wir mussten noch zahlreiche Stühle dazuholen“, erinnert sich der 77-Jährige an die Glanzzeiten des plattdeutschen Theaters zurück. Die Aufführungen fanden damals immer Ende des Jahres statt und gehörten zum Weihnachtsprogramm der Tönninger wie der Besuch der Kirche an Heiligabend.
Das war aber nicht immer so. Der Tönninger erinnert sich an die ersten Jahre zurück: „Damals spielten wir auch schon mal vor nur 40-50 Besuchern.“ Heute wohnen bis zu 250 Besucher den jeweiligen Aufführungen in der Stadthalle bei und lassen sich von den Akteuren der Speeldeel begeistern. Stücke wie „Der möblierte Herr“ und „Opa ward verköfft“ zählen zu den Lieblingsstücken von Holger Leschke, der in der Komödie „Kreuzfahrt im Schweinestall“ auch mal eine Doppelrolle – als Frau – innehatte.
Mittlerweile finden die Aufführungen der Speeldeel immer Ende März/ Anfang April statt. „Die Weihnachtszeit war für uns damals zu stressig“, begründet Holger Leschke die Terminverschiebung mit dem Hinweis, dass die Vorbereitungen und Proben für neue Bühnenstücke immer eine paar Monate andauern würden. „Wir beginnen bereits im Herbst mit dem Lesen der Bücher, ab Januar wird dann zwei Mal in der Woche geprobt“, beschreibt er das Prozedere, bis das Stück dem Publikum präsentiert werden kann.
In diesem Jahr spielt der erfahrene Darsteller in „Labskaus und Schampanjer“ eine Hauptrolle an der Seite von Silke Hansen. Mit dabei ist auch Kirsten Sievers, die Schwester von Holger Leschke, der in früheren Jahren auch mal seinen Sohn Fabian überzeugen konnte, mitzuspielen – besser gesagt, einzuspringen. „Das hat er nur mir zuliebe getan“, erinnert sich Holger Leschke, der volles Verständnis hat, dass Rampenlicht, Theaterbühnen und Aufführungen vor großer Kulisse nicht jedermanns Sache sind. Aber seine – und das aus voller Überzeugung. Überzeugend und mit großer Leidenschaft spielt der Tönninger auch seine Rollen – immer wieder andere, immer wieder großartig. Und wenn er damals in „Poorn ut Tönn“ auch in die Rolle eines Tönninger Originals geschlüpft ist, so ist er heute selbst ein Original der Tönner Speeldeel. Für ihn und seine Auftritte nehmen Zuschauer lange Anfahrtswege auf sich und lassen sich immer wieder von seiner Schauspielerei begeistern.
Fast 60 Jahre Bühnenerfahrung mit unterschiedlichen Darstellerinnen und Darstellern an seiner Seite. Lieblingsstücke und Paraderollen gab es in dieser Zeit viele. Und dennoch blieb ihm in seiner langjährigen Schauspielkarriere eine Rolle verwehrt – die eines jugendlichen Liebhabers. Mit großer Betroffenheit, ein bisschen Neid und einer Träne im Auge schildert Holger Leschke sein Schicksal und lässt sein Gegenüber fragend zurück: Ist das jetzt sein Ernst oder spielt er das nur?
Neues Stück der Tönner Speeldeel
„Labskaus un Schampanjer“, ist der Titel des Dreiakters von Konrad Hansen, den die Tönner Speeldeel in diesem Jahr präsentiert. Darin spielen Silke Hansen und Holger Leschke ein Paar, dass sich auf betrügerische Weise bereichert. Hartmut Hartke in einer Doppelrolle sowie Kirsten Sievers als heiratswütige Verlobte und Kurt Albrecht als erpresserischer Beamter sind in weiteren Rollen zu sehen. Als Topusterin fungiert in bewährter Weise wieder Frauke Hansen. Die Vorstellungen sind am Sonnabend, 28. März, 20 Uhr, sowie am Sonntag, 29. März, ab 15 Uhr. Weitere Termine sind am Freitag, 10. April, und am Sonnabend, 11. April, ab jeweils 20 Uhr, in der Tönninger Stadthalle. Einlass ist stets eine Stunde vor Beginn. Der Eintritt beträgt acht Euro.
Der Eider-Kurier verlost zwei Ehrenplätze in der ersten Reihe für den Premierenabend (28. März, 20 Uhr). Wer die gewinnen möchte, schreibt eine Postkarte an den Eider-Kurier, Rademacherstraße 12 in 25832 Tönning mit dem Kennwort „Tönner Speeldeel“. Einsendeschluss ist der 6. März.
Kartenvorverkauf ist am Montag, 9. März, von 8 bis 12 Uhr, in Kirstens Frisiersalon, Kattrepel 2, in Tönning. Danach übernimmt die Tönninger Tourist-Information, Am Markt, den Kartenvorverkauf.