Belegschaft in Husum und Niebüll demonstriert gegen Krankenhauspläne
Gegen die Vorgaben der Bundes- und Landesregierung formiert sich Widerstand an den Standorten des Klinikums Nordfriesland. Der Klinik-Geschäftsführer warnt vor mehr Bürokratie.
Zitronen und weiße Lilien (im Vordergrund) als Symbole für die Zukunftssorgen, die sich Geschäftsführung und Mitarbeiterschaft des Klinikums machen. | Foto: Klinikum NF
Rund 150 Beschäftigte der Klinik Husum sowie 60 Mitarbeitende in Niebüll versammelten sich heute um 12:05 Uhr zu einer "aktiven Mittagspause" vor den Haupteingängen. Sie protestieren gegen die gesundheitspolitischen Pläne auf Bundes- und Landesebene.
Auf Bundesebene richtet sich der Protest gegen das derzeit diskutierte GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz. Der Geschäftsführer des Klinikums, Stephan W. Unger, warnte bei der Versammlung in Husum, dass dieses neue Reformgesetz den Kliniken weitere Lasten und mehr Bürokratie aufbürde. Ihm zufolge schreiben bundesweit bereits 75 Prozent der Krankenhäuser rote Zahlen. Unger prognostizierte, dass das Defizit des Klinikums Nordfriesland infolge der Bundespläne bis 2027 auf 20 Millionen Euro ansteigen werde.
Parallel dazu kritisiert die Belegschaft die Pläne der Landesregierung. Schleswig-Holstein setzt derzeit die Klinikreform der vorherigen Bundesregierung (das sogenannte „Lauterbach Gesetz“) um. In diesem Rahmen wird an einem neuen Landeskrankenhausplan gearbeitet, der nach Vorgaben des Bundes zu einer weiteren Zentralisierung von medizinischen Leistungen führen soll. Konkrete Ergebnisse der Untersuchungen für diesen neuen Plan sollen vom Land Ende des Jahres vorgelegt werden.
Die Teilnehmenden äußerten auf Plakaten Bedenken hinsichtlich der zukünftigen Notfallversorgung und potenzieller Leistungskürzungen infolge der Reformen. Unger forderte einen substanziellen Abbau der Normen im Gesundheitswesen. Dies sei notwendig, um Kosten einzusparen, ohne die Versorgungsqualität zu beeinträchtigen und so zur Stabilisierung der Beitragssätze beizutragen.
Die Versammlungen vor den Kliniken sollen in den kommenden 14 Tagen wiederholt werden. Zudem rief der Geschäftsführer die Belegschaft dazu auf, ihre Kritik an den Reformplänen direkt an politische Vertreter auf Landes- und Bundesebene heranzutragen.
PM Klinikum Nordfriesland