Fund in Nordfriesland

Subtropische Segelqualle erstmals in Deutschland nachgewiesen

Auf Sylt wurden subtropische Segelquallen angespült. Die Schutzstation Wattenmeer führt das Auftreten auf die Erwärmung der Meere zurück.

Subtropische Segelqualle auf einer Hand. Im Hintergrund Wasser.

Archivfoto aus Sardinien: Der Weichkörper hat Fangtentakeln an der Unterseite, mit denen Planktonkrebse und Fischlarven erbeutet werden. | Foto: Rainer Borcherding

An den Stränden von Sylt sind am Sonntag und Montag erstmals subtropische Segelquallen angespült worden. Es handelt sich um den ersten Nachweis dieser Art in Deutschland. Zuvor wurde der Schwarm bereits Mitte Juli vor Schottland und Anfang August an der dänischen Westküste gesichtet.

Die Segelqualle treibt mithilfe eines kleinen, schräg stehenden Segels durch Windkraft über das Wasser. Für Menschen sind die Tiere ungefährlich.

Folge der Klimaerwärmung

Meeresbiologe Rainer Borcherding von der Schutzstation Wattenmeer ordnet den Fund als direkte Folge der Klimaerwärmung ein: „Es ist unübersehbar, dass sich nicht nur das Land, sondern auch die Meere aufheizen.“ Borcherding weist darauf hin, dass dem harmlosen Schwarm bald auch gefährliche Arten in die Nordsee folgen könnten, wie etwa die Portugiesische Galeere oder die Mittelmeer-Leuchtqualle, die schmerzhafte Verbrennungen verursachen.

Eine auf Sylt angespülte Segelqualle. Fotografiert von Elinor Berfelde aus Köln.
Eine auf Sylt angespülte Segelqualle. Fotografiert von Elinor Berfelde aus Köln. | Foto: Elinor Berfelde
Eine auf Sylt angespülte Segelqualle. Fotografiert von Elinor Berfelde aus Köln.

Das Einwandern wärmebedürftiger Tierarten in die Nordsee beobachten Forscher bereits seit Anfang des Jahrtausends. Ökologisch hat diese natürliche Zuwanderung selten negative Folgen.

Segelquallen brauchen 14 Grad Wassertemperatur

Wie Borcherding erklärt, kommen Segelquallen weltweit und teils massenhaft vor, sind aber noch schlecht erforscht. Sie fangen kleine Planktonkrebse und Fischlarven und brauchen im Winter etwa 14 Grad Wassertemperatur. Die Qualle gibt winzige Tochterquallen ab, die etwa 1.000 Meter tief ins Meer tauchen, sich dort paaren und dann an der Oberfläche neue Segelquallen bilden. Es gibt mehrere Arten von himmelblauen Meeresschnecken, die aus erstarrtem Schleim Schaumflöße bilden und den Quallen hinterhersegeln, um sie zu fressen.

Spaziergänger werden gebeten, weitere Strandfunde zu melden.

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