Wie ein 600 Jahre altes „Grundgesetz“ bis heute nachwirkt
Vor 600 Jahren schrieben die Friesen erstmals ihre Volksrechte nieder, um sich gegen Könige und Herzöge zu behaupten. Das Nordfriisk Instituut startet mit einer Veranstaltungsreihe in das Jubiläumsjahr.
Projektreferentin Henriette Boysen möchte das mittelalterliche Nordfriesland schmackhaft machen. | Foto: Nordfriisk Instituut
Es war ein Akt der Selbstbehauptung gegenüber dem dänischen König und dem schleswigschen Herzog: Im Jahr 1426 legten die Friesen mit der „Siebenhardenbeliebung" und der Eiderstedter „Krone der rechten Wahrheit" den Grundstein für ihre Eigenständigkeit. Erstmals schrieben sie ihre angestammten Volksrechte nieder. 600 Jahre später geht das Nordfriisk Instituut im Auftrag des Frasche Rädj der Frage nach, wie viel von diesem Geist heute noch in der Region lebendig ist.
Geschichte zwischen den Gängen
Den Auftakt bildet das Format „Erben und andere Verbrechen". Das Instituts-Team besucht darin verschiedene nordfriesische Gaststätten, in denen Experten mit Humor alte Rechtstexte besprechen. „Wir rücken den wahren Kern der friesischen Freiheit ins Licht: Gemeinschaft, das Recht der Sippe und die oft missverstandene Blutrache", erklärt Institutsdirektor Christoph G. Schmidt. Die Landrechte von 1426 seien kein trockenes Paragrafenwerk gewesen, sondern ein Überlebensgarant für die Gemeinschaft. Die Reihe lädt zum Dialog über zeitlose Werte wie Gerechtigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt ein.
Wissenschaft und Ausblick
Im Frühjahr vertieft das Programm die juristische und historische Tragweite dieser Volksrechte. Während Dr. Isabella Löw die Bedeutung für moderne Mitbestimmung untersucht, weitet Dr. Han Nijdam von der Leeuwardener Fryske Akademy im Juni in Niebüll den Blick auf das internationale Erbe der Friesen.
„Es geht darum, den Mut von 1426 in die Gegenwart zu übersetzen", sagt Projektreferentin Henriette Boysen. Dass die Friesen ihr Recht damals so selbstbewusst festschrieben, mache sie zu Pionieren der Rechtskultur. Wer tiefer in das Thema eintauchen möchte, kann dies auch digital tun: Das Jubiläum wird durch einen eigenen Podcast und den Instagram-Account @friesenundfreiheit begleitet.
Festakt auf Föhr
Den feierlichen Abschluss bildet eine Veranstaltung am historischen Ort des Geschehens: Am 17. Juni – dem exakten Jahrestag der Verschriftlichung – kommen Geschichte und Gegenwart in der St.-Nicolai-Kirche in Boldixum auf Föhr zusammen.
PM Nordfriisk Instituut