„Balou“ hält Jubilare auf Trab

Antje und Siegfried Timm feiern am 18. März ihre Diamantene Hochzeit

1974 übernahmen Antje und Siegfried Timm das Eisenwarengeschäft in Oldenswort. Das Paar blickt im Kreise seiner großen Familie auf 60 Ehejahre zurück. Immer an ihrer Seite: Hund „Balou“.

Eine Frau, ein Mann und ein Hund sitzen auf einem Sofa.

Antje und Siegfried Timm haben „Balou" vom ersten Moment an in ihr Herz geschlossen. | Foto: Sommer

Die Diamantene Hochzeit symbolisiert eine Partnerschaft, die nach sechs Jahrzehnten so fest, wertvoll und unzerstörbar ist wie ein Diamant, das härteste Material der Welt. Es ist ein seltenes Jubiläum, das Antje und Siegfried Timm in Oldenswort erleben. Gemeinsam mit der ganzen Familie wird der Tag, an dem das Paar geheiratet hat, mit einem schönen Essen und einem guten Glas Wein im Gasthof gefeiert. „Unsere Hochzeit haben wir bei uns zu Hause im Wohnzimmer in Tönning gefeiert, mit Freunden, Nachbarn und Familie. Es war ein schönes Fest", erinnert sich Antje Timm, geb. Jensen.

Ihr Sohn Heiko (1964 bis 2025) wird vom Himmel aus zuschauen, wenn seine vier Geschwister Rena (Jahrgang 1966), Thomas (1969), Martin (1974) und Cathrin (1975) mit ihren Ehepartnern und insgesamt 16 Enkeln und sechs Urenkeln dieses seltene Jubiläum feiern.

Die gesamte Familie freut sich auf das Fest – so, wie damals, als am Vormittag die standesamtliche Trauung anstand, und am gleichen Tag wurde das Ehepaar Timm um 14 Uhr von Pastor Milkoveit kirchlich getraut. Siegfried Timm schmunzelt: „Meine Eltern hatten eine Landwirtschaft in Tofting und mussten pünktlich zum Füttern nach Hause." Bei all der Hektik an diesem Tag wurde glatt vergessen, einen Hochzeitsfotograf zu bestellen, doch einen Schnappschuss vom Ehepaar im Brautkleid und Anzug gibt es doch noch und jede Menge Fotos von der feuchtfröhlichen Hochzeitsfeier im Wohnzimmer, die bis in die Morgenstunden andauerte.

 Schritt in die Selbstständigkeit

Kennengelernt haben sich die beiden beim Tanz in der Gaststätte „Kreuz" in Tönning. „Ich war damals gerade 17 Jahre alt und ein Jahr später haben wir in der Gaststätte „Hochsteg" unsere Verlobung gefeiert. Da mussten wir tatsächlich noch meine Eltern um Erlaubnis bitten", sagt Antje Timm. Mit 20 Jahren hat sie ihren fünf Jahre älteren Siegfried geheiratet, einen Mann, der mit seiner Mutter im Flüchtlingstreck von Korkenhagen in Pommern nach Eiderstedt gekommen ist. „Bei der Flucht mit Pferd und Wagen war ich gerade mal fünf Jahre alt, aber das schönste Erlebnis werde ich nie vergessen – als mein Vater aus der Kriegsgefangenenschaft in Dänemark kam und uns hier in Sieversfleth gefunden hat. Das war schon ein ganz besonderer Moment für uns alle."

 Ein besonderer Moment war für das Ehepaar Timm mit Sicherheit auch der Schritt in die Selbstständigkeit. 1974 haben sie in Oldenswort das seit 1962 bestehende Eisenwarengeschäft von ihrem Vorgänger übernommen. „Als gelernter Kaufmann war ich schon zwei, drei Jahre in dem Geschäft als Angestellter tätig", sagt Siegfried Timm. Als dort aus Altersgründen ein Nachfolger gesucht wurde, überlegte das Ehepaar nicht lange. Haben sie anfangs noch ganz Eiderstedt mit Kohlen beliefert, so veränderte sich im Lauf der Jahre ihre Tätigkeit. Mehr und mehr wurde „Timm in Oldenswort" zu einem Begriff – und zu einem Geschäft, in dem einem geholfen wurde.

Im Brautkleid ein Blick zurück.
Im Brautkleid ein Blick zurück. | Foto: ek
Im Brautkleid ein Blick zurück.

Besonders die landwirtschaftlichen Betriebe aus der Umgebung haben hier alles bekommen, was gebraucht wurde. „Bei uns konnte auch am Wochenende gern einer anrufen, wenn er ein Ersatzteil brauchte. Wir haben geliefert, immer und sofort", erklärt Siegfried Timm. Seit 2001 führt Sohn Thomas das Geschäft, mit der gleichen Leidenschaft wie seine Eltern. Neben landwirtschaftlichen Bedarfsartikeln und Eisenwaren gibt es allerlei Sachen für Haus und Garten, eigentlich alles, was der Mensch so braucht. „Gerne denke ich an die Zeit zurück, als es noch die sogenannten „Hochzeitstische" gab", sagt Antje Timm. Damals war es Brauch, dass ein Brautpaar im Geschäft Porzellangeschirr und Gläser reservierte, die von den Gästen im Geschäft gekauft und zur Hochzeit geschenkt wurden. Wie der Kohlenhandel auch ist das längst Geschichte. Bestand hat das alteingesessene Eisenwarengeschäft und das freut die Senioren mächtig: „Wir sind so dankbar, dass die Kunden unserem Sohn und seiner Familie die Treue halten!"

 Dankbar sind sie auch, dass sie gemeinsam Zeit in ihrem gemütlichen Heim verbringen dürfen: „Ohne die Unterstützung unserer Kinder und Enkel wäre das nicht möglich." Selber Auto fahren wagen sie nicht mehr. Doch das Auto steht vor der Tür und sobald ein Arzt, Einkaufs- oder was auch immer für ein Termin ansteht: sie werden gefahren. Als ihr geliebter Yorkshire Terrier „Dino“ nach 18 Jahren verstarb, sorgten die Kinder dafür, dass mit „Balou" wieder ein tierischer Begleiter im Haus ist, der die Eltern auf Trab hält. Das Ehepaar ist sich einig, sie haben schöne Urlaube zusammen verlebt, sie haben eine sehr gute Nachbarschaft, auf die sie sich verlassen können und sie wollen gemeinsam noch ein paar schöne Jahre zusammen haben. Nur bei der Frage, ob sie sich denn wieder heiraten würden, da muss Antje Timm kurz überlegen, ob diese Frage nicht zu intim ist für die Zeitung. Nicht so ihr Mann, der sagt blitzschnell: „Sofort!“