Schleswig-Holstein ruft zur Krisenvorsorge auf
Das Land Schleswig-Holstein startet eine Aufklärungskampagne zum Bevölkerungsschutz. Das Ziel: Jeder Haushalt soll sich im Notfall mindestens 72 Stunden lang selbst versorgen können.
Foto: Innenministerium
Ob extreme Wetterlagen, Cyberangriffe auf kritische Infrastruktur oder weitreichende Stromausfälle – Krisen können den Alltag unerwartet zum Stillstand bringen. Um die Menschen im Land besser auf solche Ausnahmesituationen vorzubereiten, hat die schleswig-holsteinische Landesregierung nun die Bevölkerungsschutzkampagne „kommklar_sh“ gestartet.
72 Stunden Selbstversorgung als Ziel
Ein Vorrat für drei Tage, ein Kurbelradio für den Fall, dass das Handy mal nicht geladen werden kann und ein wachsames Auge für hilfsbedürftige Nachbarn seien essenziell, so Landesbrandmeister Jörg Nero.
Im Zentrum der Kampagne steht der Appell zur Eigenverantwortung: „Für Krisensituationen ist es wichtig, dass wir alle uns mindestens 72 Stunden selbst versorgen können“, betonte Ministerpräsident Daniel Günther bei der Vorstellung der Initiative.
Welche Vorräte in einen Haushalt gehören und wie man sich auf Krisen vorbereitet, fasst das Land auf dem Risikokommunikationsportal unter www.kommklar-sh.de zusammen.
Dass solche Szenarien keine reine Theorie sind, habe unter anderem der mehrtägige Stromausfall in Berlin im vergangenen Januar gezeigt. Zudem betonte Günther, dass der russische Angriffskrieg auf die Ukraine die größte Sicherheitsbedrohung in Europa bleibe.
Entlastung für die Rettungskräfte
Unterstützt wird die Kampagne bereits von mehr als 30 Institutionen und Verbänden, darunter das Rote Kreuz, das THW, Stadtwerke und die Kirchen. Auch prominente Gesichter wie die Paralympics-Siegerin Kirsten Bruhn werben für mehr Eigenvorsorge.
Landesbrandmeister Jörg Nero wies auf einen weiteren entscheidenden Punkt hin: Wer zu Hause gut vorbereitet sei, entlaste die Einsatzkräfte massiv. Feuerwehr und Hilfsorganisationen würden in echten Notlagen gebraucht und seien keine Rufbereitschaft für alltägliche Ausfälle. Mit gesundem Menschenverstand und einem kühlen Kopf ließe sich vieles selbst regeln.
Land plant weitere Schutzmaßnahmen
Neben dem Aufruf an die Bürger treibt das Land auch eigene Maßnahmen voran. Wie Innenministerin Magdalena Finke erklärte, wurde eigens eine Taskforce zur zivilen Verteidigung gegründet. Diese erstellt aktuell eine Übersicht der 700 bis 1.000 Objekte der kritischen Infrastruktur im Land. Zudem prüfe Schleswig-Holstein den Ausbau öffentlicher Schutzräume.
Ausgespielt wird die Informationskampagne ab sofort auf Werbetafeln sowie auf den Social-Media-Kanälen Instagram, Facebook und TikTok. In der zweiten Jahreshälfte soll zudem ein Infomobil des Landesfeuerwehrverbandes durch Schleswig-Holstein touren, um die Bürger direkt vor Ort aufzuklären.
PM Innenministerium SH