Nordsee-Umweltschutzverein warnt

Windparks verändern Strömungen

Forschungsergebnisse des Helmholtz-Zentrums Hereon zeigen die langfristige Gesamtwirkung von Windparks auf Luft- und Meeresströmungen in der Nordsee. Ein Umweltschutzverein sieht sich bestätigt.

Weiße Winkraftanlagen in blauem Meer. Im Hintergrund hellblauer Himmel.

Symbolbild: Ein Windpark in der Nordsee. | Foto: Jesse De Meulenaere/Unsplash

Der Umweltschutzverein Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste (SDN) warnt: „Schon zu Beginn des Ausbaues haben wir auf die Auswirkungen auf Meeresökologie wie Strömungsverhältnisse hingewiesen“, sagt Vereinsvorsitzender Gerd-Christian Wagner.

„Nun zeigt sich mit dieser ersten Studie zur Gesamtwirkung der riesigen Offshore-Windparks auf die Meeres- und Luftströmungen, wie berechtigt unsere Forderungen waren und noch sind!“

Die Rotoren entziehen dem Wind Energie und beeinflussen die Oberflächenströmungen mit bis zu 20 Prozent Verlangsamung in die Nordsee hinein. Die Turbinenpfeiler hingegen stellen unter Wasser Hindernisse dar, die die Gezeitenströmungen und –frequenzen verändern. Diese Wind- und Gezeiten-Wakes (Nachlaufeffekte) interagieren miteinander und bestimmen die komplexen, physikalischen Auswirkungen der Parks. Dadurch kann es zu großräumigen Veränderungen im Sedimenttransport und der Durchmischung des Meerwassers kommen.

Die Studie zeige erste Hinweise darauf, wie sich strömungsbedingte Risiken für die Meeresumwelt begrenzen ließen. Nach den vorliegenden Modellsimulationen spielen vor allem der Abstand der Turbinen, die Standortwahl der Windparks sowie die lokalen Gezeitenbedingungen eine zentrale Rolle dafür, wie stark sich Strömungen, Temperaturverhältnisse und die Durchmischung des Wassers verändern.

Die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste e.V. (SDN) ist ein überregionaler und gemeinnütziger Umweltschutz-Dachverband, der 1973 ins Leben gerufen wurde.

Seitdem engagiert sich die Schutzgemeinschaft parteiübergreifend für den Schutz der Nordsee als Lebens-, Wirtschafts- und Naturraum.

Sie dient Kommunen, Landkreisen, Naturschutzvereinen, Instituten, Verbänden und Einzelmitgliedern als Sprachrohr in die Öffentlichkeit sowie die Ministerialverwaltungen und Parlamente des Bundes und der vier Nordsee-Küsten-Länder.

Gemeinsames Ziel: Der Schutz vor schädigenden Eingriffen durch den Menschen.

„Diese Ergebnisse sind wenig überraschend“, erklärt der 2. SDN-Vorsitzende, Ulrich Birstein. „Sie bestätigen vielmehr, dass großflächige Offshore-Windparks das empfindliche System der Nordsee deutlich beeinflussen. Wer die Energiewende auf See vorantreibt, muss auch die Folgen für Strömungen, Sedimenttransport und Ökosysteme ehrlich benennen.“

Schutzgemeinschaft Nordseeküste: Gesamtwirkung zählt

Zugleich warnt Birstein davor, die Auswirkungen einzelner Projekte nur isoliert zu betrachten. „Die Industrialisierung der Nordsee schreitet in vielen Bereichen gleichzeitig voran. Offshore-Windparks sind dabei nur ein Teil des Problems.“ Hinzu kämen unter anderem, neben einer steigenden Havarie-Gefahr, beispielsweise noch Unterwasserlärm, Müllbelastungen, Öl- und Gasförderung, Schlickverklappungen sowie der Ausbau von Rohrleitungen und Kabeltrassen durch die Nordsee und das Wattenmeer.

„Jeder einzelne dieser Eingriffe belastet das Meer zusätzlich“, so Birstein. „In der Summe entsteht ein massiver Nutzungsdruck auf einen Lebens- und Naturraum, der ohnehin schon stark belastet ist. Wer die Nordsee schützen will, muss diese Entwicklungen endlich gesamthaft betrachten – und nicht nur einzelne Projekte genehmigen, ohne ihre Gesamtwirkung zu berücksichtigen.“

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