Zwischen Vereinen und Familie

Uschi Jannsen ist Witzworter Bürgerin des Jahres

In der Küche von Uschi Jannsen duftet es noch nach frischen Eierkuchen, die sich ihr Enkel zum Mittag gewünscht hatte. Oft schauen ihre Enkelkinder bei ihr vorbei, zum Essen, zum Übernachten oder auch einfach mal so. Die Familie mit vier Kindern, 15 Enkelkindern und seit kurzem auch einer Urenkelin ist Uschi Jannsen wichtig, aber längst nicht ihr einziger Lebensinhalt. Nicht umsonst wurde die 81-Jährige von der Gemeinde Witzwort, den Vereinen und der Feuerwehr zur Bürgerin des Jahres 2026 gekürt.

Foto: Pauls

„Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet, sonst wäre ich doch vorher noch zum Frisör gegangen“, sagt Uschi Jannsen noch immer überrascht, aber hocherfreut über die Auszeichnung. Und die ist allemal verdient. Angefangen hat ihr Engagement in den 80-er Jahren mit der Unterstützung des Spielmannszuges, in dem ihre Kinder aktiv waren und beim Deutschen Roten Kreuz, wo sie über 30 Jahre aktives Mitglied war. Aber auch bei allen möglichen anderen Gelegenheiten in der Gemeinde half Uschi Jannsen gern mit, hat Kuchen gebacken, Kaffee ausgeschenkt und beim Kinderfest sowie beim Ringreiten tatkräftig unterstützt. Da sie auch gern fotografierte, hielt sie außerdem viele der Dorfereignisse mit ihrer Kamera fest.

Ihre große Leidenschaft gilt der Witzworter Theatergruppe. Mehr oder weniger zufällig übernahm sie vor über 45 Jahren erstmals die Rolle der Topusterin – und ist es bis heute geblieben. Im April hat die Gruppe ihre nächsten Auftritte und probt derzeit fleißig. „Ich habe Freude daran, die Spieler auf der Bühne zu unterstützen“, sagt Uschi Jannsen. Ambitionen, selbst auf den Brettern zu stehen, hatte sie nie. „Im Hintergrund fühle ich mich viel wohler“, erklärt sie bescheiden. Auch im Leben ist sie keine, die das Rampenlicht sucht, sondern eine, die einfach macht.

Das Dorfleben schöner machen und aktiv mitgestalten, ist für die Rentnerin eine Selbstverständlichkeit. Doch das Landleben war Uschi Jannsen nicht in die Wiege gelegt. Geboren und aufgewachsen ist sie in Kiel, absolvierte dort eine kaufmännische Ausbildung und war danach im Einzelhandel tätig. Auf der Hochzeit einer ihrer Schwestern, die es von Kiel nach Hamburg verschlagen hatte, lernte sie ihren späteren Ehemann kennen – der aus Witzwort kam. So kam die Kielerin im Alter von 18 Jahren nach Eiderstedt und integrierte sich schnell, auch wenn ihr Plattdeutsch zunächst etwas anders klang. Mit ihrem Mann bewirtschaftete sie die Landstelle am Deich und kümmerte sich ums Haus, um die Kinder sowie deren Hobbys. Auch in den Elternbeirat wurde sie schnell gewählt. „Mein Führerschein war in diesen Jahren wirklich lebenswichtig“, sagt Uschi Jannsen rückblickend. Sie hat ihn heute noch, fährt aber keine weiten Strecken mehr. „Zum Glück haben wir auch im Dorf einen Supermarkt“, stellt sie fest, „und überhaupt ist die Lebensqualität hier toll, das Vereinsleben und die gegenseitige Unterstützung sind großartig“.

Vor gut zehn Jahren sind Uschi Jannsen und ihr Mann weg vom Deich gezogen und haben im Baugebiet ein neues Haus gebaut. Auf dem Hof wohnt nun eine der Töchter mit ihrer Familie. „Es ist schön, dass alle meine Kinder auf Eiderstedt leben“, sagt sie zufrieden. Seit 2020 ist sie Witwe, aber dank Kindern und Enkeln nicht allein. Außerdem hat sie in Husum noch zwei Schwestern, die eine 90 und die andere 95 Jahre alt, die sie regelmäßig besucht. „Langweilig ist es nie“, stellt Uschi Jannsen fest. Und dann ist es auch schon an der Zeit, sich fertig zu machen, denn gleich wird ihre Tochter sie zur Theaterprobe abholen.