Gemeinsam gegen Rassismus

Nach Vorfall in Tönning: Breites gesellschaftliches Bündnis verurteilt Rassismus

Anfang August soll eine Gruppe von Männern eine geflüchtete Familie in Tönning überfallen haben. Ein breites Bündnis verurteilt nun gemeinsam den Vorfall – und positioniert sich gemeinschaftlich gegen Fremdenhass.

Eine Sitzbank mit verkürzter Sitzfläche, auf deren Rückenlehne

"Kein Platz für Rassismus" steht auf einer Bank an der Diakonie in Tönning. Diese Haltung bekräftigen viele Insitutionen nach einem Vorfall im August. | Foto: spy

Tönning. Ein Vorfall im August hat zu einem breiten Eiderstedter Bündnis gegen Rassismus geführt. „Für Rassismus ist kein Platz!“, teilen das Diakonische Werk Husum, das Amt Eiderstedt, die Initiative „Eiderstedt ist bunt“ sowie die Kirchen des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Nordfriesland auf Eiderstedt in einer gemeinsamen Erklärung mit. Eine Gruppe von Männern soll eine geflüchtete Familie in Tönning bedrängt haben.

Laut Angaben der Polizeistation Tönning soll aus einer Gruppe von fünf betrunkenen Männern heraus unter anderem „Ausländer raus“ gerufen sein worden. Einer der Männer soll demnach auf den Balkon der Familie gestiegen sein und gegen die Scheibe geschlagen haben. Die verängstigte Familie verließ laut Polizei noch am Abend des Geschehens ihre Wohnung. Die Polizei ermittelt seit dem Vorfall vom 7. August wegen Hausfriedensbruchs.

Tönning: "Besonders die Kinder hatten furchtbare Angst"

„Besonders die Kinder der Familie hatten furchtbare Angst“, heißt es dazu in der gemeinsamen Pressemitteilung. „Der Vorfall in Tönning ist erschütternd und in seiner Tragweite nicht zu unterschätzen“, sagt Jan Grehm, Geschäftsführer des Diakonischen Werks Husum. Das Werk sehe in dem Vorfall mehr als einen bedauerlichen Einzelfall. „Der Vorfall macht deutlich, dass Rassismus und Ausgrenzung bei uns Realität sind und dass wir uns nicht darauf verlassen dürfen, dass ein gutes Miteinander selbstverständlich ist.“

Wo Menschen aufgrund ihrer Herkunft bedroht würden, gehe es nicht nur um die unmittelbar Betroffenen. „Es geht auch um die Frage, in welcher Gesellschaft wir leben wollen und wie wir in unserer Region miteinander umgehen.“ Er fordert eine klare Haltung gegen Rassismus und Ausgrenzung – „nicht nur in öffentlichen Erklärungen, sondern im Alltag."

Rassistische Übergriffe richten sich nicht ausschließlich gegen die unmittelbar betroffenen Menschen, heißt es auch in der gemeinsamen Mitteilung. Sie richteten sich „gegen uns als Gesellschaft, unsere Heimat und gegen die Grundwerte unseres Zusammenlebens: Menschenwürde, Respekt, Freiheit und Gleichberechtigung."

Amtsdirektor fordert Haltung im Alltag

„Der Vorfall ist beschämend“, sagt Georg Nissen, stellvertretender Vorsitzender des Kirchengemeinderats der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Tönning-Kating-Kotzenbüll, gegenüber dem Eider-Kurier. Die Kirche verwehre sich gegen Rassismus. „So etwas darf nicht sein und wir erklären uns deswegen solidarisch mit der Familie.“

„Es ist eine Katastrophe“, sagt Christian Marwig, Amtsvorsteher und Bürgermeister in Tümlauer Koog (WGTK). „Da kommen Menschen hier her, weil sie verfolgt werden, und treffen dann auf so etwas.“ Amtsdirektor Matthias Hasse äußert sich ebenfalls deutlich: „Ich verurteile ganz klar dieses Geschehen, dem man mit klarer Haltung begegnen muss.“

Auch Hasse betont, dass diese Haltung sich im Alltag zeigen müsse – und in der Breite der Gesellschaft. „Deswegen war es wichtig, dass wir über den runden Tisch Integration so viele Player miteinander koordinieren konnten, um den Vorfall gemeinsam zu adressieren.“

Auch die Stadt Tönning gehört zu den Unterzeichnern des gemeinsamen Statements. Jens Binder (AWT), Bürgervorsteher der Stadt, will die klare Haltung und Position zum Ausdruck bringen indem er sagt: „Tönning war und ist eine weltoffene Stadt, in der für Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und jegliche Form der Ausgrenzung kein Platz ist.“

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