Was die Tönningerin Frida Bonneß bei ihrem Einsatz für Straßenkinder erlebte
Ein Jahr Anden statt Eiderstedt: In Cajamarca unterstützte sie benachteiligte Kinder. Jetzt ist die 21-Jährige zurück in der Heimat – und hat durch den Freiwilligendienst ihr künftiges Wunschstudium gefunden.
Zurück in ihrer Heimatstadt: Frida Bonneß. | Foto: Pauls/EK
Tönning. Frida Bonneß ist wieder zu Hause. Ein Jahr lang war die Tönningerin am anderen Ende der Welt, hat sich um Straßenkinder in Peru gekümmert und das vielfältige Land zwischen Anden, Regenwald und Wüste kennen und lieben gelernt.
Dabei war das gar nicht ihre erste Wahl. „Dass ich nach dem Abitur erst mal raus aus Eiderstedt und ins Ausland wollte, war klar“, erinnert sich die 21-Jährige, „und einfach nur reisen, war mir zu kostspielig, deshalb wollte ich einen Freiwilligendienst leisten.“
Beworben hatte sie sich auf den letzten Drücker aber gerade noch rechtzeitig beim Freiwilligendienst Weltwärts, der weltweit mit 130 Organisationen zusammenarbeitet. Fridas Bewerbung auf ein Hilfsprojekt in Afrika klappte nicht, wurde aber weitergeleitet und so erhielt sie das Angebot, nach Peru zu gehen.
Da ihr Land und Kontinent nicht so wichtig waren, nahm sie auch dieses – trotz eher schwacher Spanisch-Kenntnisse – gern an. Hinter dem Projekt stehen die Sternsinger. Das sind nämlich nicht nur Kinder, die in katholischen Gegenden am Dreikönigstag singend von Haus zu Haus ziehen, sondern es ist auch das Kindermissionswerk der katholischen Kirche, das weltweit 778 Projekte in 79 Ländern unterstützt.
Ein Projektpartner der Sternsinger wiederum ist die Organisation Micanto, die sich seit 2005 in der nordwest-peruanischen Stadt Cajamarca um benachteiligte Kinder kümmert. Dorthin führte Fridas Reise.
Von Tönning in die Anden-Stadt Cajamarca
Zuvor musste sie ein Vorbereitungsseminar inklusive Sicherheitstraining besuchen. „Das fand genau in der Abitur-Prüfungsphase statt“, erinnert sich die Tönningerin an diese etwas stressige Zeit.
Doch sie meisterte beides und flog Mitte August von Hamburg über Madrid nach Lima und von dort schließlich in die Anden-Stadt Cajamarca. Schon im Flugzeug fiel ihr auf, wie offen, freundlich und interessiert die Peruaner gegenüber Fremden sind.
Der Eindruck verfestigte sich im Verlauf der kommenden Wochen und Monate. Freundlich wurde sie am Zielort in Empfang genommen und schnell lernte sie Land, Leute und andere Freiwillige kennen. Als einzige Deutsche und aufgrund der Tatsache, dass die englische Sprache auf dem südamerikanischen Kontinent nicht weit verbreitet ist, verbesserte sich Fridas Spanisch schnell.
Einsatz für Straßenkinder: So hilft das Projekt Micanto vor Ort
Bei der Arbeit mit den Kindern standen neben Hausaufgabenhilfe und Nachhilfe auch Sport und Spiel sowie Workshops, die praktische Fähigkeiten wie Nähen, Kochen und Backen vermitteln, auf dem Plan.
Zu Fridas Aufgaben gehörte auch, einen eigenen Workshop zu entwickeln. Sie setzte dabei auf ihre Stärken und bot Englisch und Volleyball an, was bei den Kindern bestens ankam.
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Ein weiterer wichtiger Aspekt bei Micanto ist, das Selbstbewusstsein der Vier- bis 17-Jährigen zu stärken, die regelmäßig in das Zentrum kommen.
Sie leben größtenteils in armen Verhältnissen, müssen neben der Schule arbeiten, um zum Lebensunterhalt ihrer Familien beizutragen. „Micanto bedeutet im übertragenen Sinne so viel wie meine Stimme“, erklärt Frida, „den Kindern soll vermittelt werden, dass auch sie Rechte und eine Stimme haben.“
Karneval in Cajamarca und der Entschluss fürs Sozialstudium
Aber auch Spaß und Freizeit kamen nicht zu kurz. „Gefühlt gibt es in Peru immer etwas zu feiern“, erklärt Frida, „die Feste werden meist von Straßenumzügen und Musik begleitet. Am herausragendsten war der Karneval, in Cajamarca findet der bekannteste Karneval Perus statt, viele inländische Touristen kommen dazu in die Stadt, es war gigantisch“. Weihnachten auf der Südhalbkugel und bei Sommerwetter hat sie ebenfalls in wunderschöner Erinnerung.
Gefühlt gibt es in Peru immer etwas zu feiern.
Frida Bonneß
In der Adventszeit war sie zwar etwas von Heimweh geplagt – das einzige Mal während des gesamten Jahres. Das Fest selbst verbrachte sie bei der Familie eines Freundes, wo sie einmal von der Gastfreundschaft der Einheimischen beeindruckt war.
Zuvor hatte sie noch gearbeitet und mit ihren Micanto-Kollegen kleine Geschenke in den Familien ihrer Kinder verteilt – Bälle, Spielzeugautos und Puppen hatten für leuchtende Augen gesorgt.
In der Mitte des Aufenthaltes gab es für die Freiwilligen in Lima ein Zwischenseminar und ein paar freie Tage. Die nutzte Frida, um noch mehr vom Land zu entdecken. Sie besuchte die Wüste, die Küste und den Süden Perus mit der Inka-Stadt Machu Picchu.
Ende Juli ging Fridas Freiwilligendienst zu Ende, mit einem gebührenden Abschied der Kinder und ihrer Kollegen und nicht ohne Einfluss auf ihr weiteres Leben. Sie hat sich für ein Studium im Bereich soziale Arbeit entschieden und möchte den Kontakt zu Micanto auch weiterhin halten.
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