„Ich bin stolz und zufrieden, dass wir mit dem Diakonischen Werk Husum die Fachstelle Migration in Tönning eingerichtet haben“, sagte Eiderstedts Amtsdirektor Herbert Lorenzen anlässlich eines Pressegesprächs, in welchem auf zwei erfolgreiche Jahre verlässlicher Kooperation zurückgeschaut wurde. Es sei „Learning by doing“ gewesen, es habe keine kopierten Lösungen gegeben: Erst sei es um grundsätzliche Dinge des Lebens gegangen, beispielsweise den Asylsuchenden ein Dach über dem Kopf zu verschaffen; jetzt jedoch haben sich die Bedarfslagen geändert und es gehe um „echte Integrationsfragen“. Auch Adelheit Marcinczyk, Leiterin „Geschäftsbereich II – Soziales und Arbeit“ ist zufrieden mit der Entwicklung: „Die Fachstelle ist mittlerweile in allen Köpfen verankert“, urteilt sie. Lorenzen lobte die gute Zusammenarbeit mit allen Fachstellen, die die Integration voranbringen, Hilfe zur Selbsthilfe leisten und die die vorhandene Infrastruktur nutzen, um sie ständig weiterzuentwickeln.

 

Gleichwohl gebe es „noch viele Herausforderungen“. Doch alles in allem: „Es läuft alles geräuschlos“, fasste der Amtsdirektor zusammen.

Seit dem 1. Juli 2015 kümmern sich eine Handvoll Mitarbeitender des Diakonischen Werks Husum (DW) um – in Hoch-Zeiten – bis zu 90 ehrenamtlich arbeitende Personen und die Geflüchteten. In den vergangenen zwei Jahren wurden mehr als 300 Asylsuchende beraten und unterstützt. Nunmehr sind es noch zwischen 60 und 70 ehrenamtlich Helfende, die anerkennenswert viel Eigeninitiative entwickeln und den Geflüchteten beim Hineinfinden in westeuropäische Lebens- und Gesellschaftsstrukturen zur Seite stehen. Gleichwohl muss deren Unterstützungsarbeit koordiniert werden. Dafür ist seit kurzem der diplomierte Politikwissenschaftler Felix Ferenczy zuständig, der sich während seines Studiums mit den europäischen Asylsystemen befasst hat. „Insofern erkenne ich vieles wieder von dem, was mir die Menschen erzählen, und es macht großen Spaß mit den Ehrenamtlichen zu arbeiten.“

 

Rebecca Mansel ist gewissermaßen „Frau der ersten Stunde“ in der Fachstelle. Ihr Arbeitsschwerpunkt liegt auf der Einzelfallberatung. Unterstützt wird die Fachstelle außerdem durch einen Verfahrensberater. Seit knapp eineinhalb Jahren kümmert sich Silvia Bludau um Alltagsfragen, die die Geflüchteten bewegen. Zunächst war sie ehrenamtlich tätig, befasst sich jetzt aber beispielsweise mit den Anmeldungen zum Kindergarten oder zur Schule und löst Alltagsprobleme – in enger Kooperation mit den Dolmetschern Alaa Ahmad aus dem Irak und Said Omid Sahraee aus Kabul. Die beiden dolmetschen für Menschen aus Kurdistan und dem arabischen, beziehungsweise aus dem Farsi sprechenden Raum. Sie begleiten auf Gängen zu Behörden, zur Schule und zum Arzt.

 

Mit voranschreitender Integration verändern sich die Aufgaben aller Beteiligter: „Sozusagen unser tägliches Brot sind die Wohnungssuche der Geflohenen, der Familiennachzug, aber auch der Spracherwerb“, so Lorenzen. „Die anerkannten Träger der Sprachkurse, wie beispielsweise die Volkshochschule, sind in Husum zu finden und nicht auf Eiderstedt. Das ist problematisch für die Anfahrtwege“, so Marcinczyk. Außerdem verfügen die Träger nicht über eine ausreichende Menge an qualifizierten und zertifizierten Lehrkräften. Nichtsdestotrotz leisten auch hier die Ehrenamtlichen mit großem Engagement eine tadellose Ersthilfe beim Erwerb der deutschen Sprache – die freilich den Eingang in das Berufsleben ermöglicht: Hier kooperiert die Fachstelle eng mit dem Koordinator für den Arbeitsmarkt beim Kreis Nordfriesland, Lars Treptow. Zusätzlich ist die gute Zusammenarbeit mit Marion Bernhardi vom Amt Eiderstedt zu nennen. Auch das IQ-Netzwerk in Nordfriesland setzt sich ein für die Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse, lässt Zeugnisse prüfen und – in Kooperation mit den Kammern – Praxistests durchführen.

Ein nächster Schritt ist die Installierung eines „Runden Tischs“. Dann werden sich alle ein bis zwei Monate die Vertreter von Ehrenamtlern, Geflüchteten, Kindertagesstätten, Gemeinden, sozialen Organisationen, vom Amt Eiderstedt und weiteren Akteuren zusammensetzen und dringende Sachfragen besprechen. Grundsätzlich aber gilt: Die Zusammenarbeit mit der Migrationsbehörde des Kreises Nordfriesland, der Ausländerbehörde und allen weiteren beteiligten Ämtern und Fachstellen sorgt für ein dichtes Netzwerk an unterstützenden Möglichkeiten sowie für praktikable und im Regelfalle schnelle Lösungen.

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Eider-Kurier (Redaktion)

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