Friedrichstadt: Kulturnacht mit Besucherrekord

Friedrichstadt. „Für heute ist Friedrichstadt die Kulturhauptstadt Nordfrieslands“, sagte die stellvertretende nordfriesische Kreispräsidentin Margarethe Ehler zur Eröffnung der Kulturnacht in dem Holländerstädtchen. Das Ereignis endete tatsächlich mit einem Besucherrekord. 560 Menschen schlenderten durch die kopfsteingepflasterten Gassen und ließen sich von den blau-gelben Kulturnacht-Flaggen, von Kerzen und Musik in Museen, Galerien, Geschäfte und Privathäuser locken. Besonders die geöffneten Privathäuser, liebevoll mit zusätzlichen Sitzgelegenheiten ausgestattet und mit Lichterketten geschmückt, machen nach Aussagen vieler Besucher die familiäre Atmosphäre der Friedrichstädter Kulturnacht aus. Sie fand bereits zum 18. Mal stattfand und diente, wie Margarethe Ehler sagte, schon vielen weiteren Städten als Vorbild für ähnliche Veranstaltungen.  „Man kann nur erahnen, wie viel Herzblut und ehrenamtliche Arbeit in der Vorbereitung der Kulturnacht stecken“, betonte die stellvertretende Kreispräsidentin.

Die Ausstellungsstücke reichten von Glas- und Goldschmiedekunst, Keramik, Draht- und Holzobjekten bis zu Fotografien, Gemälden und Skulpturen. In der Kultur- und Gedenkstätte Ehemalige Synagoge, wo auch die Eröffnung stattfand, wurden Bilder iranischer Illustratoren ausgestellt. Mit der subtilen Kunstform der Kinderbuch-Illustration können sie die Zensur in dem autoritären Staat umgehen.

Für musikalische Untermalung sorgte das Klezmer-Duo Schmarowotsnik aus Kiel. Als Kontrastprogramm zogen durch die Fußgängerzone dudelsackpfeifend die „Caledonian Pipes & Drums“, und im Stadtmuseum präsentierte eine Schülerband ihre eigens für diesen Zweck einstudierten Stücke.

Viele ortsansässige Künstler hatten Gast-Aussteller in ihre Galerien eingeladen. So waren in der Galerie Thomas Freund neben den Bildern nordfriesischer Alleen und Wattlandschaften auch Fotos der griechischen Insel Santorin vom Künstlerkollegen Bernd Weinert zu sehen, und in der Goldschmiede Wickord wurde neben Gold und Silber zusätzlich Häkel- und Strickschmuck ausgestellt.

Im evangelischen Gemeindehaus erläuterte Rosemarie Skrodzki die Holzschnitte aus dem Bibel-Zyklus ihres Mannes, des 2012 verstorbenen Malers Günter Skrodzki. In einem der prächtigen Treppengiebelhäuser, dem Paludanushaus, konnte man die Gemälde von Ernst Kahl, Maler und Autor mit Hang zu Witz und Ironie, bewundern. Da wurde ein Anhänger voller Schweine zum „Essen auf Rädern“, und das Bild eines Fischers mit einem Netz voll Obst („Meeresfrüchte“) stammte laut Beschriftung angeblich aus dem „Deutschen Meeresmuseum Konstanz“. Fragte man verwirrt, ob es dieses Museum wirklich gebe, so erhielt man nur ein ironisches Lächeln zur Antwort.

Zwischen den 20 offiziellen Kulturnacht-Stationen, die sich mit Hilfe der Karte auf dem ausgehändigten Faltblatt abschreiten ließen, hatten manche Friedrichstädter ihre Gartenmöbel auf den Bürgersteig gestellt, hielten ein Picknick bei Kerzenschein ab und genossen zusammen mit den Kultur-Touristen die warme Sommernacht.

Die nächste Kulturnacht in Friedrichstadt findet wieder am letzten Augst-Wochenende 2017 statt.

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