Garding. Nun sitzt er da, in seinem alten Sessel mit rotem Polster, umringt von Büchern in einer ehemaligen Schmiede, die er als Wohnhaus vor vielen Jahren umbauen ließ. In den Händen hält er sein erstes eigenes Buch, frisch aus der Druckerpresse und fast pünktlich zu seinem 75. Geburtstag erschienen.

Es heißt „Fresenhof – Ein Stück von mir“ und ist eine Autobiografie in Anekdoten. Schon ewig wollte Knut Kieswetter ein Buch schreiben, schob es aber immer vor sich her. „Ich bin nun ´mal kein fleißiger Mensch“, gibt er sanftmütig zu verstehen.

Seine Ehefrau Regine versuchte ihn anzuspornen, schließlich gab es genügend aus seinem, aus ihrem gemeinsamen Leben zu erzählen. So kamen zwar ein paar Seiten zusammen, aber das war es auch schon. Während sein Erstlingswerk auf sich warten ließ, hatte sie den Titel schon gefunden. Letztendlich ist der es dann auch geworden. Das Buch ist zwar endlich fertig, doch sie ist nicht mehr da.

Ihren Tod im vergangenen Jahr nahm Knut Kiesewetter zum Anlass, sich endlich ans Werk zu machen, sozusagen als „Befreiungsakt“, wie er erzählt. Ein Romantiker war er nie. Die Direktheit seiner Worte ließen so manchem Gegenüber erschrocken und pikiert zurück, sein ausgeprägtes Wissen über verschiedenste Themen andere beeindruckt verstummen und sein Humor vieles vergessen.

Der Gardinger ist kein Mann der großen Worte. Er erzählt zwar gerne, zitiert Liedtexte und Gedichte, aber nimmt sich selbst nicht so wichtig. In seinem Buch wird klar, warum er so ist, wie er ist. Mit all seinen Ecken und Kanten, ´mal aufbrausend wie ein heftiger Sturm, der über der Nordsee tobt, dann wieder versöhnlich und leise, so wie die aufkommende Flut langsam die matschigen Rillen des Wattenmeers füllt.

Sensibilität und Romantik trägt er in sich, irgendwo und schwer erreichbar. Wie sonst könnte jemand mit solch fantastischer Stimme einfache Worte in Lieder verpacken und damit die Hörer begeistern, wie sonst ein Gedicht für seine Liebste schreiben, so wie er es getan hat. Es heißt „Für Regine“ und ziert das Ende seines Buches. 16 Zeilen, die ihm tief ins Herz schauen lassen.

Aufgewachsen ist Knut Kiesewetter auf der friesischen Halbinsel Eiderstedt – in Garding und St. Peter-Ording – und das hat ihn geprägt. Er ist durch und durch Nordfriese.

Als er 13 Jahre alt war, hörte er zufällig den amerikanischen singenden Posaunisten Jack Teagarden. „Für mich tat sich seinerzeit eine vollkommen neue Welt auf “, erinnert er sich.

Einige Jahre später fing er an, Tanzmusik zu spielen und trat Schleswig-Holstein weit auf. Mit 17 Jahren begann er an der Musikhochschule Lübeck ein Studium. Das Wort „Jazz“ war in seiner Seele verankert und sollte es bleiben. Er besuchte die Musikhochschule in Hamburg und was folgte, war seine Karriere als Sänger, Posaunist, Gitarrist und Schreiber.

Die Lieder, die er für sich und andere Sänger schrieb, waren oft voller sarkastischem Humor, seinen ersten Hit mit eigenen Worten hatte er 1968 mit dem Lied „Komm aus den Federn Liebste“.

Er entdeckte unter anderem Hannes Wader, Volker Lechtenbrink und Fiede Kay, nahm eigene Singels und LP`s auf. Zu seinem größten Erfolg wurde 1976 das Album „Leder vun min Fresenhof“ mit Liedern in plattdeutscher und friesischer Sprache. Das Lied „Fresenhof“ kannte zu der Zeit in Norddeutschland so ziemlich jeder, in Dänemark war es sogar so sehr beliebt, dass es zur Erkennungsmelodie einer Rundfunksendung wurde. Der Fresenhof im nordfriesischen Bohmstedt, in dem er mit seiner Frau Regine und seinem Sohn Klas wohnte, war lange Zeit sein Lebensmittelpunkt und Rückzugsort.

Knut Kieswetter moderierte Fernseh- und Rundfunksendungen, schrieb für Zeitungen und Kurzgeschichten für Bücher, hatte Auftritte auf zahlreichen Bühnen und war damit ein Teil der schillernden Branche. Viele seiner ehemaligen Kollegen bekommen in seinem Buch so richtig ihr Fett weg, die Bretter, die für einige Showgrößen die Welt bedeuten, sägt Knut Kiesewetter schonungslos an.

Das wird sicherlich nicht jedem gefallen, aber so ist er halt, der nordfriesische Musiker und Autor – direkt und mit viel Ironie in der Wortwahl behaftet. Diese wird auch sehr deutlich, als er sich in dem Buch auf Zeitreise in seine Kindheit begibt und auf die „sadistischen Quälereien seines SS-Vaters“ eingeht.

Termine für seine Lesereise sind bereits notiert, weitere Anfragen liegen vor. Wobei Erzähl- und Singreise als Programmhinweis besser gewählt wäre. Der 75-Jährige sieht kaum mehr etwas, zwei Prozent Sehkraft – mehr ist nicht zu machen. Und weil das so ist, diktierte er das Buch Barbara Hartmann, die es niederschrieb. Die Gardingerin ist eine langjährige Bekannte und inzwischen zu seiner Wegbegleiterin geworden.

Wohin ihn sein persönlicher Weg führt, vermag Knut Kiesewetter nicht zu sagen. Nicht weil ein Blick in die Zukunft quälend für ihn ist, sondern für ihn einfach kein Thema. Er fällt kein Urteil über sich, schon gar nicht über sein Buch. „Das kann ich mir nicht anmaßen“, meint er und schmunzelt. Was das in Verbindung mit einer von ihm hochgezogenen Augenbraue auch immer heißen mag, ist frei wählbar.

Das Buch „Fresenhof. Ein Stück von mir – Autobiografie in Anekdoten“ ist im Husum Verlag erschienen (400 Seiten, 19,95 Euro).

Eine Antwort

  1. Reinhard Richter

    Simone Nommensens Buchbesprechung im Eiderkurier von Knut Kiesewetters „Freesenhof“ ist so gut wie das Buch selbst: beides hervorragend! Danke!

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