Der Beruf der Kindertagespflegepersonen – umgangssprachlich als Tagesmutter
bekannt – wird künftig deutlich besser entlohnt: Ab 2018 können die Aktiven
sich über eine 21,5-prozentige Gehaltssteigerung freuen. »Damit liegen wir
im oberen Drittel Schleswig-Holsteins«, erklärt Landrat Dieter Harrsen. Die
Bedeutung der Kindertagespflege nimmt immer weiter zu: Für Kinder unter drei
Jahren gilt sie als gleichwertiges Angebot zur Krippe.

Am 6. Oktober 2017 beschloss der nordfriesische Kreistag aber nicht nur die
erhöhte Entlohnung, sondern auch eine erhebliche qualitative Verbesserung
der Ausbildung der Kindertagespflegepersonen. »Wir sind zurzeit dabei,
unsere Schulungsmodule gründlich zu überarbeiten, um zukünftige
Kindertagespflegepersonen dabei zu unterstützen, ihren anspruchsvollen
Aufgaben noch besser gerecht zu werden«, erklären Anna Woile und Karin
Jacobsen-Jordt aus dem Fachbereich Jugend, Familie und Bildung der
Kreisverwaltung. Fünf Interessenten für die neue Schulungsreihe haben sich
bereits gemeldet, doch ein Kurs sollte gern aus acht bis zehn Personen
bestehen.

»An zahlreichen Stellen des Kreisgebietes herrscht ein Mangel an
Kindertagespflegepersonen, die natürlich auch Männer sein können«, erklärt
Karin Jacobsen-Jordt. Besonders hoher Bedarf besteht in den größeren Orten
Husum, Leck, Tönning, Garding und Sankt Peter Ording, aber auch auf Sylt und
Föhr.

Kindertagespflegepersonen dürfen bis zu fünf Kinder gleichzeitig betreuen.
Ab dem dritten Lebensjahr sollen die Kleinen eine Kita besuchen, um zu
lernen, sich in größeren Gruppen zurechtzufinden. Trotzdem bleiben auch
viele Familien mit Kita-Kindern auf die Kindertagespflege angewiesen: »Wenn
Eltern vor Öffnung der Kita arbeiten müssen, nehmen sie gern die Hilfe einer
Kindertagespflegeperson in Anspruch, die die Kinder zum Beispiel von fünf
bis sieben Uhr morgens betreut und anschließend zur Kita bringt. Das gleiche
gilt täglich ab 17 Uhr, denn viele Eltern haben erst Feierabend, nachdem die
Kita schon lange geschlossen hat«, erläutert Anna Woile.

In diesen Randzeiten ist das Gehalt noch einmal um einen Euro pro Kind und
Stunde höher. »Reich wird man auch mit der neuen Entlohnung von
durchschnittlich 4,92 Euro pro Kind und Stunde nicht, ist Karin
Jacobsen-Jordt klar: »Doch der Umgang mit Kindern und die Möglichkeit, sie
auf professionellem Niveau in ihrer Entwicklung zu fördern, macht sehr viel
Freude. Außerdem genießen Kindertagespflegepersonen eine große Freiheit in
ihrer Berufsausübung, weil sie selbstständig tätig sind. Sie können ihrer
täglichen Arbeit ein eigenes Profil verleihen, um die Erziehung in der
Familie bestmöglich zu ergänzen.« Sie und ihre Kollegin Anna Woile beraten
und unterstützen die Interessierten gern bei der Entscheidungsfindung.

Die Ursache für den hohen Bedarf an Kindertagespflege liegt in zwei
Entwicklungen: Zum einen sind die Geburtenzahlen in Deutschland heute
deutlich höher als alle Fachleute noch vor wenigen Jahren erwartet haben.
Zum anderen waren die Strategien von Wirtschaft und Politik zur besseren
Vereinbarkeit von Familie und Beruf so erfolgreich, dass viele junge Mütter
heute nicht mehr, wie noch vor einigen Jahren, ihre Elternzeit möglichst
lange ausdehnen, sondern schon nach einem Jahr zumindest in Teilzeit wieder
in den Beruf gehen wollen.

»Das ist eine positive Entwicklung, die den Kommunen nun allerdings auch
zusätzliche Investitionen abverlangt«, stellt Landrat Dieter Harrsen fest:
»Statt dass, wie befürchtet, nach und nach etliche Kita-Gruppen schließen,
werden momentan im gesamten Kreisgebiet weitere Kinderbetreuungsplätze
geschaffen. An vielen Stellen errichten die Gemeinden sogar neue Gebäude.«

Eine Rolle spielt sicherlich auch der Zuschuss von bis zu 100 Euro pro Kind
und Monat, um den das Land die Eltern inzwischen bei den Kita-Gebühren
entlastet, sofern die Kinder das 3. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.
»Damit die Kommunen und der Kreis besser planen können, freuen wir uns, wenn
junge Eltern ihre Kinder möglichst frühzeitig in einer Kita oder bei einer
Kindertagespflege anmelden. Das erleichtert den Verantwortlichen ihre
Organisationsarbeit ganz enorm – und es erhöht die Chancen, an der
gewünschten Stelle einen Platz fürs Kind zu bekommen«, erklärt Anna Woile.

Sie und ihre Kollegin freuen sich auf Anrufe von Frauen und Männern, die
sich eine Zukunft in der Kindertagespflege aufbauen wollen. Sie sind
erreichbar unter Tel. 04841 67-565 oder per E-Mail unter
annafranziska.woile@nordfriesland.de.

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Tönning
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Eider-Kurier (Redaktion)

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