Offener Brief des Ehepaars Weisel aus Lehe an Landrat Dieter Harrsen zu dessen Plänen, die Klinik Tönning zu schließen.

 

Betrifft die Schließung des Krankenhauses in Tönning.

Sehr geehrter Herr Harrsen, voller Entsetzen mussten mein Frau und ich aus der Presse erfahren, dass unter Ihrer Amtsführung das Krankenhaus in Tönning geschlossen werden soll. Welche politischen Erwägungen Ihre Planungen beeinflusst haben, lässt sich für uns nicht nachvollziehen? Als Bürger aus dem Norden Dithmarschens mussten wir leider schon mehrfach die Hilfe des Krankenhauspersonals in Anspruch nehmen, sowohl ambulant als auch stationär. Mit vollster Zufriedenheit mit den behandelnden Ärzten Dr. Grande und Dr. Krause suchten meine Frau als auch ich immer wieder die Klinik in Tönning auf. Für meine OP – Nachbehandlung standen mir jedesmal die Physiotherapeutinnen mehr als Hilfreich bei Seite und dies auch sehr erfolgreich. Warum Sie nun die medizinische Grundversorgung auf Eiderstedt und Dithmarschen Nord zerstören wollen, bleibt für uns ein Rätsel. Während Ihrer Amtsführung dürfte Ihnen wohl nicht verborgen geblieben sein, wie desaströs die medizinische Versorgung im ländlichen Raum Schleswig-Holsteins ausschaut. Außerhalb städtischer Ballungsgebiete lassen sich kaum noch Ärzte und Pflegepersonal für eine ausreichende Grundversorgung der Bürger finden. Ihr Vorhaben die Klinik Tönning aus rein wirtschaftlichen Erwägungen schließen zu wollen, macht meine Frau und mich einfach nur fassungslos, wo bleibt die Bürgernähe. Ist es nicht Ihre vordringlichste Aufgabe alsgewählter Landrat sich für die Bürger vor Ort einzusetzen? Wenn dem so ist, dann fragen wir uns, wie können Sie solch eine Entscheidung der Klinik Schließung überhaupt in betracht ziehen. Ihr Vorhaben wird mit dazu beitragen, dass der ländliche Raum sich weiter entvölkert und für alle Altersgruppen unattraktiv wird. Erst waren es die Hebammen auf den Inseln, dann die Kinderstation auf den Inseln und jetzt auch noch Tönning. Wenn die Schließung kommen sollte, betragen die Fahrwege zur nächsten Notversorgung, 20 bis 45 km. Wäre es nicht weitsichtiger gewesen, die stationäre Abteilung in Tönning nicht auszudünnen, dass nur noch weniger Betten übrig bleiben? Welche Beweggründe führten zum Ausbau des Krankenhauses in Husum, sicherlich nicht die Mutter mit ihrem kranken Kind, die von St. Peter-Ording jetzt mit dem Notfallwagen  nach Husum oder Heide muss. Auch das Alter Ihrer Mitbürger scheint Ihnen egal zu sein, im Einzugsbereich des Krankenhauses Tönning gibt es zahlreiche Bürger denen der Weg bis Husum nicht zumutbar ist, spekulieren Sie darauf: Wer es nicht mehr rechtzeitig schafft, fällt auch dem Staat oder der Krankenkasse nicht mehr zur lasst? In diesem Zusammenhang möchte ich noch einmal erwähnen, dass Sie Landrat durch ein Bürgervotum wurden, wenn Sie sich jetzt durch ihre  Amtshandlungen von denen entfernen, die Sie gewählt haben, bedarf es des Widerstandes der vor Ort betroffenen Bestandsgarantie die Arbeit der Klinik Tönning. Sichern Sie in Tönning die Arbeitsplätze der Ärzte und des Pflegepersonals. Sozial- und Gesundheitsdienste im Land dienen in erster Linie dem Wohle der dort lebenden Bürger und nicht irgend welchen Interessengruppen. Es ist Aufgabe und Fürsorge des Staates dies auch zu gewährleisten, jenseits jeglichen Privatisierungwahn einzelner Politiker oder Parteien. Gutachter arbeiten nur dem zu, der das Gutachten in Auftrag gegeben hat, Entscheiden Sie sich für den Bestand von Tönning, überzeugen Sie davon auch die in den Kreistag gewählten Parteien. Eine Ambulanz in  Tönning wäre keine Alternative, ein ambulanter Landrat auch nicht.

Gudrun und Manfred Weisel aus Lehe

Eine Antwort

  1. Gudrun u. Manfred Weisel

    Öffentliches Schreiben an den Bundesminister für Gesundheit Hermann Gröhe.
    Betr.: Drohende Krankenhausschließung im ländlichen Raum

    Sehr geehrter Herr Gröhe,
    mit Entsetzen haben meine Frau und ich von Ihrem Vorhaben der Einschränkung christlicher Gesundheitsfürsorge für die Bürger der Bundesrepublik Deutschland zur Kenntnis genommen. Ihre Auslegung der christlichen Daseinsfürsorge für die betroffenen Bürger dieser Bundesrepublik können wir und möchten wir auch so nicht teilen. Daseinsvorsorge ohne Beteiligung der betroffenen Bürger zu erarbeiten und zu beschließen wirkt arrogant, bevormundend, ist nicht christlich, sondern nur undemokratisch. Gesundheitsfürsorge bleibt die Aufgabe des Staates auch wenn sich so manch ein Berufspolitiker dieser Bringschuld entledigen möchte. Verantwortung zu privatisieren, sollte nicht die Aufgabe einer CDU geführten Regierung sein. Mit dem Mangel an Finanzmitteln können Sie allein Ihr Vorhaben nicht begründen. Noch nie in der Geschichte dieser Republik hatten wie so hohe Staatseinnahmen mit einer so geringen Neuverschuldung. Dass dieser Staat sich auf Kosten der Gesundheit seiner Bürger gesunden möchte, ist grotesk um nicht zu sagen absurd. Dass Ihre Regierung mehrheitlich ein Krankenhausstrukturgesetz beschlossen hat, welches total an den Bedürfnissen der Bürger vorbei geht, ist so kaum noch glaubhaft. Hoffentlich ist Ihnen auch gegenwärtig, dass Sie mit diesem neu Krankenhausstrukturgesetz den ländlichen Raum vollends ins Abseits führen. Wer funktionierende Gesundheitssysteme, wohl ohne Kenntnis der kommunalen Daseinsvorsorge, auch noch zerstört, wird dem Wählerauftrag nicht mehr gerecht. Mit 39,2 % bei den letzten Bundestagswahlen ging Ihre Partei als stärkste Partei im Bundesland Schleswig – Holstein hervor. Zusammen mit Ihren Fraktionskollegen und Kolleginnen der SPD kommen Sie auf ein sattes Ergebnis von immerhin 70,7 % bei uns im Land. Kein vernünftiger und aufgeklärter Bürger kann deshalb verstehen, warum diese absolute Mehrheit nicht zu mehr Gerechtigkeit bei Ihrer Daseinsvorsorge führen soll.
    Krankenhäuser wie Tönning oder Niebüll schließen zu müssen, weil angeblich nicht rentabel, ist schlicht weg ein Unding. Welche Fahrwege für eine von Ihrem Ministerium geplante Notversorgung soll denn noch für den Bürger akzeptabel sein, 50 / 70 oder gar 100 km? Was Sie bei uns im Land jetzt installieren möchten, ist Sterbehilfe pur, wer diesem Gesellschaftssystem nicht mehr nutzt, hilft dem Staat sparen. Wir glauben, dass Ihre Regierung gut daran täte erst einmal das Umzusetzen, was seit der Wende 1989 immer noch aussteht um Kosten zu sparen, die Bundesministerien endlich an einem Standort zusammen zu führen, Ihre Regierung leistet sich einen Luxus den die Bürger so nicht mehr verstehen und auch so nicht tolerieren möchten. Ihre Regierungsfraktionen machen eine Partei wie die AfD und die Bürgerproteste wie Pegida erst hoffähig. Setzen Sie sich für den Fortbestand unserer Krankenhäuser im ländlichen Raum ein, zeigen Sie Bürgernähe, nehmen Sie Einfluss auf die Bundesgesetzgebung zum Wohle Ihrer Wahlbürger, noch stehen Sie in der Verpflichtung einer flächendeckenden Gesundheitsfürsorge für unser Land. Setzen Sie sich bitte ein für den Fortbestand der Kliniken in Tönning und Niebüll, verteidigen Sie bitte nicht uns Bürger am Hindukusch, im Irak oder in Syrien, sondern bei uns in Schleswig – Holstein.

    Gudrun und Manfred Weisel / 25774 Lehe

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