Kitesurfer-Initiativen und Naturschutzvereine, Tourismuszentralen, Gemeinden

und Ämter haben sich in Gesprächen mit der Nationalparkverwaltung auf
Kite-Gebiete für Sylt und für die Westküste Eiderstedts verständigt. Ziel
ist es, dass Kitesurfen in den attraktivsten und am meisten genutzten
Gebieten weiterhin möglich zu machen und zugleich die empfindlichen Bereiche
des Nationalparks zu schützen. Aus dem Mosaik der Einzelvorschläge will die
Nationalparkverwaltung nun ein Gesamtkonzept erstellen und Umweltminister
Robert Habeck vorlegen.

„Das sind wichtige Meilensteine auf dem Weg zu einem flächendeckenden
Vorschlag“, freut sich Detlef Hansen, der als Leiter der
Nationalparkverwaltung an vielen Gesprächen beteiligt ist. „Auch für
Dagebüll, Föhr, Amrum, Hooge, Langeneß, Pellworm, Nordstrand, Lüttmoorsiel,
Holmer Siel, Husum, Simonsberg/Lundenbergsand, Vollerwiek, Stufhusen, Büsum
und die Meldorfer Bucht wollen wir uns auf Kite-Gebiete verständigen und
sind jetzt mit vielen regionalen Akteuren in letzten Abstimmungen. Dies
zeigt, dass die für Kiter attraktiven Flächen großräumig zugänglich bleiben
sollen und  es nicht um wenige, ausgesuchte Spots geht“, erklärt er.

Das größte, jetzt vereinbarte Gebiet umfasst die Westküste Sylts, wobei
lokale Regelungen für den Badebetrieb und die touristische Strandnutzung
weiterhin zu beachten sind. Darüber hinaus sollen die beiden bisher
genutzten Gebiete an der Wattseite Sylts bestehen bleiben (List/Königshafen
und Hörnum/Möwennest). Auch vor St. Peter-Ording passen Nationalpark und
Kiten gut zusammen. Dort soll das Kiten an den rund zehn Kilometer langen
Stränden, mit Ausnahme der Badezonen und des inneren Bereichs einer kleinen
Lagune, weiterhin möglich sein. An den Übergängen in die ökologisch
sensiblen Bereiche der Tümlauer Bucht nach Norden und die Eidermündung im
Süden soll die Natur dagegen Vorrang haben.

Kitesurfen ist ein Trendsport. Mit der leichter und besser werdenden
Ausrüstung sind Kiter hochmobil und das ganze Jahr über im Nationalpark
Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer unterwegs. In sensiblen Bereichen kommt
es – meist aus Unkenntnis – dazu, dass Vögel aufgescheucht werden, die im
flachen Wasser rasten oder Nahrung suchen. Störungen von Vögeln sind durch
die Betreuungsberichte der Naturschutzverbände, Beobachtungen von Rangern
der Nationalparkverwaltung und durch weitere Meldungen belegt. In
Einzelfällen wurde Anzeige erstattet.

„Wir sagen ausdrücklich „Ja“ zum Kiten im Nationalpark und Weltnaturerbe
Wattenmeer, aber bitte in den weniger sensiblen Gebieten“, bringt  Hansen
die Haltung der Nationalparkverwaltung auf den Punkt und überzeugte damit
die regionalen Akteure. Die Ausweisung von Kite-Gebieten und der Ausschluss
des Kitesurfens außerhalb dieser Gebiete ist aus Sicht der
Nationalparkverwaltung in Zusammenhang mit der ohnehin anstehenden
Neufassung der Befahrensverordnung für Wasserstraßen im Wattenmeer fachlich
angeraten und rechtlich gut umzusetzen. Es hätte zudem den Vorteil, dass in
den drei Wattenmeer-Nationalparken in Niedersachsen, Hamburg und
Schleswig-Holstein dieselben Bestimmungen gelten würden. Umweltminister
Habeck will nach Vorlage eines für die Westküste erarbeiteten
Gesamtkonzeptes über das weitere Vorgehen bezüglich des beim
Bundesverkehrsminister zu stellenden Antrags entscheiden.

Hansen weist darauf hin, dass die Verlegung des Kitesurf-Worldcups 2016 von
St. Peter-Ording nach Fehmarn keinen Bezug zu den beabsichtigten Regelungen
für das Kitesurfen hat. Die Nationalparkverwaltung hatte für die
Durchführung der Veranstaltung in 2016 keine neuen Vorgaben oder Bedingungen
verlangt. Die Veranstalter selbst hätten für die Verlegung allein
wirtschaftliche Gründe angegeben.

Die jetzige Befahrensverordnung des Bundes stammt aus dem Jahre 1997. Trotz
Bemühungen der Länder wurde sie bisher nicht an Schleswig-Holsteins 1999
novelliertes Nationalparkgesetz angepasst. Im marinen Teil des Nationalparks
bestehen daher zwei Schutzzonensysteme mit unterschiedlichem Zuschnitt, die
beide rechtskräftig sind. So gibt es Gebiete, die mit Wasserfahrzeugen nicht
befahren, bei Niedrigwasser aber betreten werden dürfen. Und es gibt
Gebiete, in denen es sich umgekehrt verhält. Weil das Wattenmeer ein
hochdynamischer Lebensraum ist, in dem sich Priele andauernd verlagern und
Sandbänke neu bilden, liegen viele von Seehunden und Vögeln genutzte
Bereiche inzwischen zudem außerhalb der Schutzzonen, die in den 1990er
Jahren zur Darstellung der Befahrensverordnung in die Seekarten eingetragen
wurden.

Das Wattenmeer ist das vogelreichste Gebiet Europas. Mehrere Millionen Vögel
nutzen die Flachwasserbereiche des schleswig-holsteinischen Nationalparks
oder rasten auf benachbarten Hochwasserrastplätzen. Störungen können
Tausende von Wat- und Wasservögeln von ihren Rast- und Nahrungsplätzen
vertreiben. Dies kostet sie zusätzlich Energie, die sie eigentlich für den
Weiterflug in ihre Überwinterungsgebiete oder für den kalten, nahrungsarmen
und energiezehrenden Winter benötigen.

Medieninformation der Nationalparkverwaltung

Hinweis: Die beiden anliegenden Karten zeigen die Vorschläge für
Kitesurf-Gebiete vor Sylt und St. Peter-Ording (Karte:
Nationalparkverwaltung/LKN.SH).

Direkte Links:

www.eider-kurier.de/resources/pdf/KitesurfenEiderstedt.pdf

www.eider-kurier.de/resources/pdf/KitesurfenSylt.pdf

11 Responses

  1. Axa Vers.Rademacher

    Also , wieso lassen Sie sich als Medium einfach so belügen??
    Gutachten zeigen eindeutig, das Kitesurfen keinen Einfluss auf Vögel haben oder diese so gering sind das Sie vernachlässigt werden können…Hunde und Spaziergänger auf die Trift das zu…und Kiteriniativen und regionale Akteure wer soll das sein…und geeinigt hat sich dort keiner…Skandal…findet ihr nicht auch …Eider -Kurier…gruss

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  2. Simon Wellington

    Wer waren die an dem Kompromiss beteiligten Parteien? Es hört sich sehr einseitig an, dass Verbote für die Surfer ausgesprochen werden, während doch eigentlich eine Verschiebung der Schutzzone nötig wäre. Die Schutzzone wird aber einfach nur vergrößert und das auch noch mit einer Behauptung, die durch Gutachten der Nationalparkverwaltungen bereits widerlegt ist.

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  3. Pascal Matzke

    Sehr einseitige Recherche, wenn man überhaupt von Recherche sprechen kann. Von seitens der German Kitesurf Association sind keine Kompromisse bekannt. Eher das Gegenteil ist hier der Fall. Vereine, Verbände und der Deutsche Segel Verband sind strikt gegen Verbotszonen. Wie wäre es mit einer Gegendarstellung in ihrer Zeitung?

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  4. Steffen

    Das liest sich doch sehr wie von Seiten des Nabus die Informationen eingeholt. Welche Parteien waren bei der Einigung dabei? Die Karte zeigt einen Spot der lächerlich und gefährlich ist! Kommt endlich zur Besinnung und hört mit der Hexenjagd auf Kiter auf! Es gibt ausreichend Gutachten, die belegen, dass kiten keine Scheuchwirkung auf Vögel hat, die hier in dem Maße immer angeführt wird.

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  5. Andreas Groneberg

    Da werden Behauptungen des NABU (Scheuchwirkung der Kites) ungeprüft als Tatsachen akzeptiert obwohl existierende Gutachten dies widerlegen.
    Einfach traurig, dass eine Sportart, die ab 2018 olympische Disziplin sein soll so in Mißkredit gebracht wird und die Behörden da auch noch mitmachen…
    Dann kann sich das Bundesministerium des Inneren (zuständig auch für Sport) das Sponsoring auch anderer olympischer Disziplinen sparen, wenn der Sport hier in Deutschland einen derart untergeordneten Stellenwert einnimmt. Aus Gründen der Gerechtigkeit könnte man jetzt über ein Verbot von Radfahrern und Läufern im Wald nachdenken – die könnten auch Wildtiere stören. Gutachten darüber gibt es zwar nicht, aber die braucht man anscheinend für Verbote nicht mehr.

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  6. F: Sösemann

    Sehr geehrter Weser-Kurier,

    als regionale Tageszeitung seid ihr natürlich nicht von einem Format wie die großen Player im Journalismus. Doch bitte überdenkt doch euren eigenen Anspruch und denkt größer! Ihr Redakteureübt den Beruf doch nicht aus, weil nix besseres zu haben war, oder? Habt ihr nicht von einer Karriere als investigative Journalisten geträumt?
    Die großen Stories recherchieren und mit Preisen überhäuft werden… hach ja, das waren noch Träumereien!

    Jetzt macht doch mal was, das dem Traum von früher nahe kommt!
    Schluckt doch nicht den Dreck reflektionslos, den man euch vorsetzt. Nehmt euch Zeit, recherchiert, seid objektive Berichterstatter, die die zwei Seiten einer Geschichte betrachtet!

    Nehmt euch diesen Artikel doch noch einmal vor, checkt die Informationen, die euch als fest verschnürte Brocken hingeworfen wurden. Lest die Kommentare und forscht nach, welche Wahrheiten darin versteckt sein könnten!

    Wir, die Kitesurfer, die unter dem Verbotswahn der Naturschützer zu unrecht leiden, tun das. Wir suchen, recherchieren und sammeln. Gutachten, Artikel, Positionen. Und wir haben eine objektive Sicht trotz subjektiver Interessen auf die drohenden Kiteverbote, die mit kleinen Kitezonen garniert schmackhafter sein sollen!

    Bitte – macht euch frei und wagt mal was! Werdet richtige Journalisten, bevor die Großen diese Story für sich entdecken.
    Viele Infos dafür (zum Reinlesen) findet ihr im Downloadbereich auf loveitlikealocal.org.

    Mit sportlichen Grüßen.

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  7. pj

    Das ist doch ein Witz. Wer hat sich den hier geeinigt? Wer hat die Gemeinschaft der Kite vertretten.
    Das liest sich wie die Pressemitteilung der radikalen NABU Mitglieder über Ihren persönlichen Sieg.

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  8. Puck

    Erst mal alles verbieten wollen, und dann nachher als größer Gönner auftreten. Das sind die hochnäsigen Naturschutzfunktionäre.

    NaBu, nein Danke.

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  9. Niels

    Das wichtigste ist dann halt auch genau kenntlich zu machen, wo kiten erlaubt ist(grosse auffallende schilder) online pdf datein um weiteren konflikten vorzubeugen

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