Was lange währt, wird endlich gut. So oder ähnlich kann man sagen, wenn man diese kleine Geschichte von Petra Jans hört. Sie selbst wurde in Sachsen-Anhalt geboren. Im Alter von vier bis fünf Jahren besuchte sie des öfteren Tante Minna und Onkel Otto in Schönebeck an der Elbe. In deren Stubenschrank befand sich eine mit Veilchen bemalte Sammeltasse einer Porzellan-Manufaktur aus Thüringen. Die kleine Petra war fasziniert von diesem Kleinod. Ab und zu holte Tante Minna die Tasse aus dem Schrank. Aber Petra durfte sie nur anschauen, nicht anfassen. Onkel Otto sollte davon allerdings nichts wissen, so geschah es in seiner Abwesenheit. Insgeheim hoffte Petra darauf, die Tasse nach dem Ableben der Tante zu bekommen. In den frühen Fünfzigern zog Petra mit ihrer Mutter nach Westdeutschland. In den 70er-Jahren machten sich Tante und Onkel aus der damaligen DDR mit dem Zug auf den Weg, ihre Großnichte und deren Tochter in Garding zu besuchen. Im Gepäck ein Geschenk – die Veilchen-Tasse. Groß war damals die Angst, dass die Grenzbeamten ihnen die Tasse an der Grenze abnehmen würden. Aber die Angst war unbegründet, sie durften ohne Bedenken die Grenze passieren. Im Husumer Bahnhof gab es dann noch eine Schrecksekunde, der Koffer fiel um. Aber auch das „überlebte“ die Tasse.

Nun wurde Petra Jans Mutter stolze Besitzerin des begehrten Objektes und sie beneidete sie darum. Erst viele Jahre später, nämlich in den 90er-Jahren durfte sie die Tasse entgegennehmen. Die über 100 Jahre alte Tasse hat nun einen Stammplatz in der Glasvitrine. Hin und wieder nimmt Petra Jans nun die Tasse aus dem Schrank und erfreut sich an ihrem Anblick und schwelgt in Erinnerungen. Text: Dörte Hach

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Torsten Beetz
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