BREDSTEDT (NfI). „Größter Dichter in nordfriesischer Sprache – Im KZ gestorben“, das sind die Aussagen, die man meistens mit dem Sylter Friesen Jens Mungard (1885-1940) verbindet. Eine biografische Annäherung jenseits dieser Oberfläche vermittelte Dr. Mogens Rostgaard Nissen von der dänischen Zentralbibliothek in Flensburg einem sachkundigen Publikum im Rahmen des Nordfriesischen Sommer-Instituts in Bredstedt.

Mungard hatte fast sein ganzes Leben unter dem übermächtigen Vater Nann Mungard zu leiden, verlor seinen Bauernhof und seine soziale Stellung auf Sylt, weil sein Hof durch Brandstiftung zerstört wurde und die Brandversicherung während der Inflation mit wertlosem Geld zahlte. Jens Mungard wurde bereits vor der NS-Zeit durch komplizierte Zeiten und Familienkonstellationen zu einem gelegentlich widersprüchlichen und nicht einfachen Charakter geformt. Wie so viele begrüßte er den Nationalsozialismus anfangs mit Begeisterung, doch er ordnete sich nicht ein in die große deutsche „Volksgemeinschaft“, sondern eckte an, galt auf Sylt als Außenseiter, verließ die Insel, lehnte sich auf, wurde verhaftet, mit Schreibverbot belegt und starb schließlich im KZ Sachsenhausen; dort erinnert seit einigen Jahren ein Gedenkstein an ihn. Sein Schicksal ist erschütternd, seine Persönlichkeit facettenreich.

 

 

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Referent Dr. Mogens Rostgaard Nissen (links) und Gastgeber Prof. Dr. Thomas Steensen vor dem Nordfriisk Instituut.

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Eider-Kurier (Redaktion)

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