Friedrichstadt. Die Stadt Friedrichstadt stellt eine Pflichtfeuerwehr auf.
Am Freitag dieser Woche (22. April) erhalten 50 Bürgerinnen und Bürger der
Stadt schriftliche Verpflichtungserklärungen. Zuvor hatten Austritte von
Feuerwehrkameraden und arbeitsplatzbedingte Wohnortwechsel dazu geführt,
dass bei Weitem nicht mehr genügend Feuerwehrleute ihren Dienst in der
Freiwilligen Feuerwehr Friedrichstadt verrichteten. Derzeit hat die Wehr
einen Personalbestand von nur 23 Feuerwehrleuten, 50 müssen es nach den
Vorschriften des Landes-Brandschutzgesetzes mindestens sein.

»Deshalb war der Kreis Nordfriesland als Aufsichtsbehörde gezwungen, die
Anerkennung der Freiwilligen Feuerwehr Friedrichstadt zu widerrufen«,
erklärt der stellvertretende Landrat Jörg-F. von Sobbe. Ein vorangegangenes
Gespräch der Verwaltung mit Kreiswehrführer Christian Albertsen, dem
Ordnungsamt des Amtes Nordsee-Treene und dem Bürgermeister der Stadt, Eggert
Vogt, hatte gezeigt, dass es keine andere Lösung gibt.

Für die Übernahme der gesetzlichen Aufgaben nach dem Brandschutzgesetz
bedarf jede Feuerwehr der Anerkennung durch die Aufsichtsbehörde. Die
Anerkennung setzt zwingend eine ausreichende persönliche und sächliche
Leistungsfähigkeit der Feuerwehr sowie die persönliche und fachliche Eignung
der Wehrführung voraus. Sie ist zu widerrufen, wenn eine der Voraussetzungen
nicht mehr vorliegt.

»Uns ist der Schritt nicht leicht gefallen, aber es ging nicht anders. Eine
Feuerwehr ist wichtig und wird gebraucht. Die Bevölkerung verlässt sich
darauf, dass nach dem Notruf schnelle Hilfe kommt«, erläutert Bürgermeister
Eggert Vogt. In den letzten Jahren hatte sich die städtische Feuerwehr viele
Aktionen einfallen lassen, um aktive Mitglieder zu gewinnen – ohne den
erwarteten Erfolg. »Viele Gespräche wurden geführt, einige wollten es sich
überlegen, leider hat man dann nichts mehr von ihnen gehört«, erinnert sich
Vogt. Da half es auch nichts, dass die Feuerwehr gut ausgestattet ist. Im
nächsten Jahr wird ein neues Löschfahrzeug beschafft, und ein Neubau des
Feuerwehrhauses ist in der Planung.

Nach Paragraph 19 der Gemeindeordnung für das Land Schleswig-Holstein ist
jeder Bürger verpflichtet, Ehrenämter und ehrenamtliche Tätigkeiten für die
Gemeinde zu übernehmen und auszuüben. »Leider ist das vielen Bürgern
heutzutage nicht bewusst. Oft werden Forderungen erhoben, aber die
Bereitschaft, selbst aktiv zu werden, fehlt«, bedauert Ralf Heßmann, der
Amtsvorsteher des Amtes Nordsee-Treene. »Unser Ziel ist es aber, wieder eine
Freiwillige Feuerwehr in Friedrichstadt auf die Beine zu stellen. Daran
arbeiten wir alle, und das Amt Nordsee-Treene wird hier nach besten
Möglichkeiten unterstützen.«

Und bis es soweit ist? »Die Friedrichstädter Bürger müssen keine Angst
haben, alles funktioniert weiter wie bisher. Wer ein Feuer entdeckt, kann,
wie üblich, den Notruf unter 112 wählen«, beruhigt Christian Albertsen. Er
hat die Nachbarwehren aus Koldenbüttel, Seeth und Drage über die Umstände
informiert und sie gebeten, die städtische Pflichtwehr im Einsatzfall
unterstützen. »Da gab es keinerlei Zögern, die Hilfsbereitschaft war sofort
da«, freut sich Albertsen.

Jacke Feuerwehr Friedrichstadt

Hier ist eine Jacke eines Feuerwehrmanns der Freiwilligen Feuerwehr Friedrichstadt zu sehen.

Ein Problem gibt es jedoch: Die Gleise der Marschenbahn trennen Koldenbüttel
und Friedrichstadt. Am Bahnübergang bleiben die Schranken oft bis zu sieben
Minuten lang geschlossen – und das bei mehr als 40 Zügen pro Tag. »Es wird
sicherlich Fälle geben, in denen die Koldenbüttler an der Schranke warten
müssen, während sich ein Feuer in Friedrichstadt weiter ausbreitet. Das
zeigt deutlich, wie wichtig es ist, dass die Stadt selbst eine
funktionierende Feuerwehr hat«, unterstreicht Kreiswehrführer Albertsen.

Nicht alle Neumitglieder verfügen über Erfahrungen in der Brandbekämpfung.
Sie müssen zunächst die sogenannte Truppmann-Ausbildung  durchlaufen. Die
dafür erforderlichen Übungsabende enthalten theoretische und praktische
Teile und erstrecken sich über mehrere Wochen. Bis dahin werden die
umliegenden Wehren stärker belastet sein.

 

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Tönning
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Eider-Kurier (Redaktion)

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