Bereits Ende März hatten die ersten Sandregenpfeifer ihre Gelege fertig, Lach- und Heringsmöwen haben ihre Brutreviere besetzt, in der Brandseeschwalbenkolonie auf der Hallig Norderoog herrscht geschäftiges Treiben: Die Brutsaison im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer ist in vollem Gange. Auch Langstreckenzieher wie Küstenseeschwalben sind aus ihren afrikanischen Überwinterungsgebieten eingetroffen, teilte die Nationalparkverwaltung in Tönning am Dienstag (26.) mit. „Der späte Wintereinbruch wird wohl nur geringe Auswirkungen auf die Brutsaison haben – höchstens auf die sehr wenigen Jungvögel, die bereits geschlüpft sind wie etwa bei den Sandregenpfeifern“, erklärt der Biologie und Vogelexperte der Nationalparkverwaltung Bernd Hälterlein.

In den kommenden Monaten wird die Küstenregion zur Kinderstube für viele gefiederte Teilzeitbewohner. „Gerade jetzt ist die Vogelwelt auf Rücksichtnahme durch den Menschen angewiesen“, appelliert der Leiter der Nationalparkverwaltung Detlef Hansen an alle Nationalparkbesucher. Denn von nicht überseh- und überhörbaren Kolonien, wie unter anderem Möwen sie bilden, mal abgesehen: Die Gelege und brütenden Tiere sind in der Landschaft häufig kaum zu erkennen – und das ist von der Natur durchaus so gewollt, denn es dient dem Schutz vor Fressfeinden. Umso wichtiger ist es, Hinweisschilder auf Brutgebiete zu beachten und diese Bereiche zu meiden. Insgesamt ziehen jährlich fast 100.000 Paare Seeschwalben, Möwen, Wat- und andere Küstenvögel auf den Salzwiesen, Stränden und Dünen an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste ihren Nachwuchs groß.

 

Neben Menschen, die, meist unabsichtlich, das Brutgeschäft stören, machen Raubsäuger (in der Fachwelt Prädatoren genannt) den Vögeln zunehmend zu schaffen – so sehr, das größere Brutkolonien auf dem Festland wie die der Lachmöwen und Küstenseeschwalben am Eidersperrwerk zur Seltenheit geworden sind. Längst aber bieten auch die Halligen keinen sicheren Schutz mehr, weil Fuchs und Marder über die Lorendämme auch dorthin gelangen können.

 

In diesem Jahr kommt ein weiteres Ärgernis dazu: Wanderratten! Die machen sich auch in entlegenen Regionen im Watt wie der Hallig Süderoog, sogar der Vogelhallig Norderoog und auf Norderoogsand breit, berichtet Bernd Hälterlein: „Das ist ein echtes Problem.“ Küsten- und Naturschützer, Jägerschaft und Gemeinden arbeiten seit einigen Jahren eng an Schutzmaßnahmen für die Vogelwelt. Biologe Hälterlein: „Gerade vor dem Hintergrund der seit Jahren rückläufigen Brutvogelbestände im Wattenmeer sind diese von besonderer Bedeutung.“

 

Pressemitteilung/ Foto: Dominic Cimiotti/Michael-Otto-Institut im NABU

 

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Eider-Kurier (Redaktion)

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