Corona im Garten

Uwe Rödiger baut eine Stadt aus Granit und Rotstein

Ist es Prag, Lübeck, oder Florenz? Vielleicht Rom? Bekanntlich wurde Rom auf sieben Hügeln gebaut, diese Stadt hier ruht jedoch auf fünf Säulen. „Es ist eine Phantasiestadt“, sagt der Erbauer Uwe Rödiger (Foto) aus Garding und setzt damit dem Rätselraten ein Ende. Der Rentner nennt seine Stadt Corona, weil er sie in der Zeit der Ausgangsbeschränkungen hinsichtlich der Covid-19-Pandemie im März und April erbaut hat. Einen Platz hat die Stadt in seinem Garten hinter seinem schmucken Einfamilienhaus gefunden.

Und dieser Garten kann sich wirklich sehen lassen. Jeder Winkel ist phantasievoll geschmückt und zeigt die außerordentliche Kreativität und Schaffenskraft des gelernten Maurers und Fliesenlegers. Mit dem Bau „seiner Stadt“ hat er nun einen vor langer Zeit gefassten Plan in die Tat umgesetzt. „In den vergangenen drei Jahren sammelte ich all das Material, welches ich nun verbaut habe“, lächelt er und verweist darauf, dass die Stadt aus Granit, Rotsteinen und Mosaik besteht. „Und natürlich jede Menge Beton“, setzt er hinzu, „insgesamt habe ich 1,5 Kubikmeter Beton verarbeitet.“

Gebaut hat der 80-Jährige  „frei Hand“, es gab keine Bauzeichnung, keine handschriftlichen Notizen. Und dennoch ist die Stadt sehr durchdacht und strukturiert. Es gibt eine Altstadt und moderne Straßenzüge, eine Kirche fehlt ebenso wenig wie ein Friedhof. Der Betrachter findet schmale Gassen, verwinkelte Ecken und Treppen, viele Häuser in verschiedenen Größen mit unterschiedlichen Dächern, Hochhäuser und sogar Türme. Die gesamte Stadt ruht auf einer sieben Zentimeter dicken Betonplatte und diese wiederum auf den besagten fünf Säulen, die der Erbauer verkleidet hat und die aussehen, wie in der Natur gewachsene Baumstämme. Doch weit gefehlt! „Es sind Rohre, die ich mit Eisen und Beton gefüllt habe“, so Uwe Rödiger, „außerdem sind die Rohre mittels Zugkraft miteinander verbunden, schließlich haben sie ein enormes Gewicht zu tragen und meine Stadt soll ja nicht irgendwann in Schieflage geraten.“

Befragt danach, ob der Bau der Stadt nicht sehr anstrengend war, antwortet der fitte Rentner: „Gar nicht, immer Stück für Stück, dann geht das. Und Zeit hatte ich ja genug.“ Auch nach weiteren Freizeitbeschäftigungen muss man den Gardinger nicht fragen. „Arbeit ist mein Hobby. Wenn ich nicht arbeiten kann, bin ich krank. Ich habe noch viel vor, schließlich will ich hundert Jahre alt werden.“ Das klingt spannend und ebenso spannend klingt auch sein neuestes Projekt, welches bereits in Planung ist: Eine Weltkugel aus Hufeisen! „Das geht bald los, ich sammle schon Material“.

Text/Foto: Ute Gieseler